Susanne auf Taa-Nrum L-6-4

Susanne auf Taa-Nrum L-6-4 – Leseprobe

Fantasie trägt uns in ungeahnte Welten.
Ohne sie gehen wir nirgendwo hin.

Carl Sagan

Das die Leseprobe zum Buch »Susanne auf Taa-Nrum L-6-4 – weitere Sciencefiction-Abenteuer mit Entspannungsübungen nach Jacobson« von Edith Mair, ISBN 978-3-7543-5397-4

Inhalt des Buches

Peters Abenteuer mit Tara, Wala, Maki und Totu gehen weiter! Und nach einer spaßigen Bobfahrt am fernen Planeten Taa-Nrum L-6-4 wird es ganz schön spannend!

Peter und seine quomaianischen Freundinnen und Freunde fahren mit dem Floß auf einen See hinaus, dabei passiert beinahe ein Unglück! Kurz darauf kommen die bösen Tutulu mit ihren lärmenden Raumschiffen zurück! Hatten Peter und die Quomaiani sie nicht für immer vertrieben?

In der Schule gerät Peter in Verdacht, Geld zu stehlen! Wird Maki, Totu, Tara, Wala und Susanne gelingen, die Unschuld ihres Freundes zu beweisen?

Susanne kann endlich nach Taa-Nrum L-6-4 reisen und an den Erlebnissen mit den fröhlichen Quomaiani teilhaben! Als die feindlichen Tutulu Susanne entführen, überstürzen sich die Ereignisse!

Die Kapitel:

Ein paar Informationen zu Beginn ….. 9

Bob fahren auf Taa Nrum L 6 4 ….. 15

Ralfs Stunde ….. 23

Ende gut, alles gut? Na ja … ….. 28

Sie sind wieder da ….. 47

Susanne ….. 55

Mein schlimmster Albtraum ….. 71

Meine Quomaiani, die Retter ….. 88

Die alte Prophezeiung ….. 111

Was ist die Wirklichkeit? ….. 140

Und das ist auch noch wichtig ….. 146

Ein paar Informationen zu Beginn

Niemand würde sich hier freiwillig aufhalten wollen.
Warum dann ich?
Und – wie bin ich da hergekommen?

So beginnt der erste Teil meiner Abenteuergeschichten, »Peter auf Taa‑Nrum L‑6‑4«. Das ist mehr als zwei Jahre her, da war ich grad elf Jahre alt geworden.
Wo bin ich da gewesen? Auf dem Planeten Taa‑Nrum L‑6‑4! Und wie bin ich auf diesen eigenartigen Planeten gekommen? Es ist einfach passiert! Und es passiert immer noch! Nachts, wenn ich schlafe, kann ich zu meinen Freundinnen und Freunden reisen. Quomaiani nennen sie sich, ein Volk, so nett und friedliebend und fröhlich und hilfsbereit, wie du auf der Erde keines findest!
Einer allein heißt Quomai. Ich verwechsle das manchmal, sage »der Quomaiani« für einen Einzelnen oder »die Quomai«, wenn ich mehrere meine. Maki war der erste Quomai – so stimmt’s – den ich kennengelernt hab. Er schaut genau so aus, wie man sich Außerirdische vorstellt. Wenn du Bilder von Roswell in Amerika kennst, wo angeblich Außerirdische abgestürzt sind, dann weißt du, was ich meine. Die Quomaiani schauen aber nicht so bedrohlich aus.
Mein Freund Maki ist über ­zwei Meter groß, ganz dünn, hat lange Arme und Beine, hellgraue Haut, und der Kopf, an dem keine Haare wachsen, sitzt auf einem langen Hals. Makis runder, roter Mund lächelt meist, aus seinen großen, schwarzen Augen blitzt oft der Humor, und dass er klug ist, sieht man ihm auch an.
Seine Nase ist lang, ragt aber kaum aus dem Gesicht heraus. Am Daumen und an den drei Fingern jeder Hand hat er wuchtige Nägel, so wie an den vier Zehen an seinen Füßen. Er ist der Bürgermeister von Knaperalasiite, einer großen Stadt auf Taa‑Nrum L‑6‑4, dem Heimatplaneten der Quomaiani.
Ja, das ist mein Freund Maki. Die Quomaiani reden total spaßig und jeder anders. Maki wiederholt Wörter. Und alle auf Taa‑Nrum L‑6‑4 können Gedanken lesen, was nicht immer angenehm ist.
Totu ist Makis um noch einen halben Meter größerer Cousin und Freund. Er hängt »a« und »i« an die Wörter oder mischt diese Selbstlaute mitten ins Wort, was witzig klingt! Totu ist immer zu Späßen aufgelegt und bringt mich ständig zum Lachen.
Er ist mit Wala verheiratet, meiner »Kummermama«. Ihr kann ich alles erzählen und sie muntert mich auf, wenn es sonst niemand kann.

Bob fahren auf Taa Nrum L-6-4


Bei der nächsten Fahrt schubst sich Maki immer wieder an. Es hilft ihm nicht, er ist damit nicht schneller. Totu macht es ihm nach und die beiden machen ein richtig fettes Wettrennen! Wala und Tara fahren gemeinsam auf einem Blatt runter, damit werden sie noch langsamer.
Ich warte, bis die vier unten angekommen sind, und mache eine Solofahrt. Slalom mit dem Blatt-Bob, ja, das klappt gut! Applaus, Applaus, danke!
Tara und Wala nehmen mich in die Mitte und wir sind im Nu wieder oben auf der Kuppe der Düne. Das geht schneller, als runterzufahren. Nichts ist schneller als die Beine der Quomaiani!
So, der nächste Durchgang. Maki, Tara und Wala hüpfen aufs Blatt und runter gehts! Ich folge ihnen rasch. Was macht Totu, der Oberspaßvogel? Er klemmt sich das Blatt zwischen die Beine, hält es mit der einen Hand vor seinem Bauch fest, mit der anderen Hand hinter seinem Popo, und so läuft er nach unten! Es sieht so spaßig aus, wenn mein Freund mit seinen dünnen Beinen durch den Sand stakst.
Und er lacht dabei aus vollem Hals, laut und wie immer schrecklich ansteckend: »Knaknaknaknakna!«
Ein paar Sekunden später hat Totu seine Siegesfahrt, nein, seinen Siegeslauf beendet.
»Unfair, Totu!«, rufe ich und versuche, ein ernstes Gesicht zu machen, »du bist ein Schummler!«
»Nein«, antwortet mein Freund, »ichi bin ein Sieger! Knaknakna!«
Er lässt sich in den Sand fallen, dreht sich auf den Rücken, reckt seine Beine in die Luft und strampelt, ohne mit dem Lachen aufzuhören. Das kenne ich schon gut. Wenn die vier Quomaiani was ganz, ganz lustig finden, lachen sie nicht bloß – und das in den schrägsten Tönen – sondern sie legen sich zusätzlich auf den Rücken und zappeln mit den Beinen in der Luft. Wer da nicht mitlachen kann, lacht über gar nix!

Ende gut, alles gut? Na ja …


Ich rudere nach draußen, die vier Quomaiani schauen immer wieder zweifelnd zwischen mir und dem Wasser hin und her. Genau wie Susanne. Langsam nähern wir uns der Insel. Vielleicht finden wir dort sogar einen Schatz, das wär super!
»Maki, magst du mal rudern? Versuch es, das ist nicht schwer!«
Mein Freund hält sich mit beiden Händen an einem Knutunaribaum fest.
»Ach nein, Peter Peter. Rudere du weiter.«
»Ichi will, Petera!«, ruft Totu.
»Gut, da nimm!«
Totu stellt sich recht geschickt an. Aber er steuert uns zum Ufer zurück.
»Wir müssen Platz tauschen, Totu, anders geht es nicht. Komm herüber!«
Totu krabbelt auf allen vieren zu mir. Das Floß schwankt auf und ab.
»Nein, nhicht, Totu!«, ruft Tara, rutscht auf ihrem Popo zu Maki und hält sich an ihm fest.
»Tara, bleib wo du bist!«, rufe ich.
Das Floß schaukelt stärker. Tara rutscht wieder an ihren Platz zurück. Wasser schwappt herauf.
»Das Ruderrr! Das Ruderrr!«, ruft Wala und beugt sich aufs Wasser hinaus, um es zurückzuholen.
»Oh, das tut mir leid! Ich hehlfe dir, Whala!«
Tara stützt sich auf Walas Schulter ab und streckt sich, um das Ruder zu erreichen.
»Ich helfe auchi«, sagt Totu und setzt sich zu Wala.
»Halt, Totu!«, rufe ich. »Komm wieder rüber zu mir, ihr dürft nicht alle auf einer Seite sitzen!«
Zu spät! Das Floß senkt sich, für einen kurzen Augenblick ist es halb unter Wasser!
»Hilfhe!«
Tara ist in den See gefallen! Totu wechselt erschrocken auf meine Seite und bringt unsere schwimmende Plattform wieder ins Gleichgewicht.
»Tara Tara! Mein mein Schatz Schatz!«
»Tara!«, rufe ich, »schwimm zurück zu Wala und wir ziehen dich heraus. Wala halt ihr deine Hand hin!«
»Wir können nichttt schwimmen, Peterrr!«, ruft Wala entsetzt.
»Petera, tu wasi!«, fleht Totu mit weit aufgerissenen Augen.
Er greift mit beiden Händen nach meinem Arm und schüttelt ihn heftig.
»Peter Peter hilf hilf ihr ihr!«, ruft Maki verzweifelt und wiederholt noch einmal jedes Wort, wie immer, wenn er besonders aufgeregt oder verwirrt ist.
Tara geht unter, mir versetzt es einen Stich ins Herz! Ich springe ins Wasser, puh, am Ufer war es nicht so kalt! Ich atme ein paarmal kräftig durch, hole tief Luft und tauche unter. Wo ist meine Freundin? Es ist hier zum Glück hell genug, die Sonnenstrahlen reichen mehrere Meter in die Tiefe.
Aua, das Wasser brennt in meinen Augen! Egal, das geschieht mir recht. Wo ist Tara? Ich schaue in alle Richtungen, sehe meine Freundin aber nicht, nur Schwärme bunter Fische, die ich nicht beachte. Da! Da ist Tara, drei Meter unter mir. Ich drücke mich mit ein paar kräftigen Schwimmstößen nach unten. Mein Herz rast, die Luft wird mir knapp.

Sie sind wieder da


»So, Kinder, die Pause ihst zu Ende, kommt wieder rein, wir zeigen Pheter, whas wir heute gelernt haben.«
Dazu kommt es jetzt nicht. Denn – oh nein, oh nein, oh nein, das gibt’s ja nicht! Ein Geräusch, das ich gut kenne, geht mir durch und durch. Es ist ein Kreischen und Poltern, ein Heulen, ein Jammern, Schmatzen, Winseln und Stöhnen, ein Klicken und Pfeifen, Zirpen und Knarzen, ein donnerndes Gebrüll und das alles auf einmal und durcheinander!
Tutulu! Die Tutulu sind wieder da!
Vier Raumschiffe, große, schwarze, glänzende Kugeln, sind wie aus dem Nichts gekommen und schweben zehn Meter über uns. Die Schläuche an den Fluggeräten, die wie Tentakel ausschauen, wie die Fangarme eines Kraken, zucken wirr. Und an den Enden dieser Tentakel hängen Kugeln, die in allen Farben blinken. Es sieht wie bei einer Lichtshow in der Disco aus, nur viel greller.
Für eine oder zwei Sekunden stehen wir alle verdattert da. Tara löst sich als Erste aus der Erstarrung.
»Bleibt ruhig, Kinder, wir machen uhnsere Entspannungsübungen! Rückt näher zusammen. Wir alle können dhas!«
»Wir werden die Tutulu vertreiben! Das kriegen wir hin!«, rufe ich den Kindern zu.
Tara und ich beginnen mit den Übungen und die Kinder machen sofort mit. Sie schauen nicht verängstigt aus, sicher sind sie an diese Plagegeister gewöhnt. Wir ziehen unsere Schultern hoch, so hoch es geht, fast bis zu den Ohren, und halten die Spannung fünf Sekunden lang. Wir ziehen die Schulterblätter zurück zur Wirbelsäule und bleiben wieder fünf Sekunden so stehen.
Wir spannen alle unseren Bauch an, als wollten wir einen harten Schlag abwehren. Ich zähle auf Quomaianisch laut bis fünf, das heißt, nicht eins, zwei, drei, vier, fünf Sekunden, sondern ich zähle in Millionen Quatonis. Die Tutulu senken ihre Raumgleiter und schweben auf unserer Höhe. Zwei Mädchen schauen hinter sich.
»Nhicht zu den Tutulu hinschauen, schaut nur zu uns!«, ruft Tara ihren Schülerinnen zu. »Schaut Pheter und mich an!«
Die Raumschiffe umkreisen uns, zuerst langsam, dann immer schneller. Dabei geben sie ein scharfes Zischen von sich, von dem ich fast Ohrenschmerzen kriege!
»Das nützt ihnen gar nichts«, sage ich laut, »wir vertreiben sie auf jeden Fall!«

Susanne


»Komm, Peterrr, wirrr spazieren den See entlang und plaudern«, schlägt Wala vor.
Ja, das klingt gut. Aber ein Spaziergang wird das nicht! Die Quomaiani bewegen sich viel, viel schneller fort als wir Menschen, ich kann ihnen kaum folgen.
»Puh, geht das ein bisserl langsamer, ich bin schon außer Atem!«
»Oh, entaschuldige, lieber Petera! Wir vergessen immer wieder, dass du eine Schecke bista. Knaknakna!«
»Schnecke heißt das! Na, schönen Dank dafür, Totu«, sage ich lachend. »Eine Schecke ist eine Kuh.«
»Kachkachkach, Peter ist eine eine Kuh!«
Hätte Ralf das gesagt, wäre mir klar, dass er gemein sein will. Bei meinen Freundinnen und Freunden weiß ich, dass sie nur Spaß machen. Und ich finde es eh auch witzig. Darum bin ich nicht sauer. Hier sagt niemand was, um den anderen zu kränken. Das gibts nur auf der Erde.
»Fängst du auch noch an, Maki«, sage ich lachend. »Wenn ich ein Tier bin, dann …«
Mir fällt nichts ein.
»Ein Schweinnn vielleicht, Peterrr, weil du so gescheit bisttt«, meint Wala.
Stimmt, ein Schwein ist gescheit, sogar klüger als ein Hund. Wenn Wala das sagt, dann ist das ein Lob!
Die vier gehen langsamer. Wahrscheinlich kommt ihnen das wie Zeitlupe vor, hihi.
»Peter! Peter! Wartet auf mich!«
Susanne!
Susanne ist da! Meine Freundin hat es geschafft, sie ist endlich, endlich, endlich auf Taa‑Nrum L‑6‑4! Sie läuft auf mich zu, fliegt in meine Arme und ich wirble sie ein paarmal um mich herum.
»Susanne! Super! Super! Ich freu mich so!« Ich lasse sie wieder los. »So schauen Maki, Totu, Tara und Wala aus, Susanne.«
»Peter, ich kann sie sehen, ich sehe euch, ich sehe euch! Mah, voll cool!«, ruft meine Freundin und klatscht.
»Und auf der Erde siehst du sie ab jetzt genauso«, sage ich freudig.
Wie viele unterschiedliche Umarmungen sind bei sechs Leuten möglich? Ja, jeder umarmt jeden, wir sind alle total aus dem Häuschen!
»Ihr schaut so toll aus, genau wie Peter euch beschrieben hat«, sagt Susanne und strahlt über das ganze Gesicht.
Die vier Quomaiani haben meine Freundin das eine oder andere Mal bei ihren Besuchen auf der Erde gesehen, wenn sie grad zufällig bei mir war. Da war die Unterhaltung so mühsam, ich hab für Susanne ständig wiederholen müssen, was meine außerirdischen Freundinnen und Freunde gesagt haben, andauernd so Maki hat dies gesagt, Tara hat das gesagt. Susanne konnte sie weder sehen noch hören!
Und darum war sie nach den Besuchen der Quomaiani jedes Mal total geknickt. Das ist vorbei, Susanne ist da!

Mein schlimmster Alptraum

Zurzeit stecke ich ordentlich in der Klemme! Es hat letzten Montag begonnen und was Ärgeres ist mir noch nie passiert!
Dreimal ist es vorgekommen. Dreimal in einer Woche, letzten Montag, am Mittwoch und am Donnerstag. Es ist an unserer Schule aus der Garderobe Geld gestohlen worden! Diebstahl ist das Gemeinste, was ich mir vorstellen kann, auch wenn es nicht besonders schlau ist, Geld in der Garderobe zu lassen. Jemandem etwas wegzunehmen, das geht echt gar nicht!
An unserer Schule gibt es versperrbare Kästchen, aber das verschwundene Geld ist immer in einer Jackentasche oder in einem Mantel gewesen.
Beim ersten Mal hat das bestohlene Mädchen gesagt, sie lässt das Geld immer im Mantel, es ist ja nie was weggekommen. Beim zweiten Mal soll ein Bub aus der 4B vergessen haben, das Geld wegzusperren, weil er spät dran gewesen ist. Das dritte Diebstahlopfer ist ein fürchterlicher Schussel und es wäre genauso gut möglich, dass er die fünfzig Euro verloren hat. Er hat das bestritten, in der großen Zehn-Uhr-Pause hat er den Geldschein noch gehabt, das wusste er genau, weil er da für den Bäcker Münzen aus seiner Geldbörse geholt hat. In der Mittagspause war die Brieftasche leer. Nur die Ausweise waren noch drin.
Das hat Susanne von einer Freundin erfahren, deren Bruder mit dem Buben in die Klasse geht. In der kurzen Pause um elf Uhr dürfen wir uns nicht frei durch das Schulgebäude bewegen, nur aufs Klo gehen.
Die beiden anderen Diebstahlopfer haben ebenso berichtet, dass sie in der Pause das Geld noch gehabt haben und zu Mittag war es weg. Die meisten kaufen was beim Bäcker, der jeden Tag in unsere Schule kommt, darum wussten sie es so genau.
Am Freitag hatten wir in der dritten Stunde Physik beim Direktor Sonnsteiner. Er ist nicht allein gekommen, sondern hat einen Polizisten mitgenommen. Voll arg! Anfangs sind beide still vor uns gestanden und haben ernste Gesichter gemacht, echt unangenehm! Der Herr Direktor hat das nach einer Minute oder so beendet.
»Guten Morgen, das ist Inspektor Kriechbaum. Drei Diebstähle in einer Woche, das ist eine ernste Sache und ich tu es nicht als Dummejungenstreich ab. Darum habe ich die Polizei verständigt.«
Na servus! Es war in der Klasse sofort mucksmäuschenstill. Das kommt nicht oft vor. Wir haben die beiden Männer erschrocken angeschaut.
»Bitte«, hat der Herr Direktor gesagt und mit der Hand zum Polizisten gedeutet.
»Guten Tag. Ich bin wie gesagt Inspektor Kriechbaum. Ich gehe mit eurem Schulleiter von Klasse zu Klasse und versuche, dieses Delikt aufzuklären. Diebstahl, meine Herrschaften, ist nichts Harmloses, sondern nach dem Österreichischen Strafgesetzbuch eine Straftat! Eine Straftat gegen das Eigentum! Hier in der letzten Klasse muss ich zusätzlich erwähnen, dass einige von euch vielleicht schon das vierzehnte Lebensjahr erreicht haben und somit das Jugendstrafrecht zur Anwendung gebracht wird. Ansonsten werden eure Eltern zur Verantwortung gezogen.«
Der Inspektor hat ungefähr eine halbe Minute lang grimmig durch die Klasse geschaut, das war noch unangenehmer als seine Ansage in dieser eigenartigen Polizistensprache. Wenn es vorher still in der Klasse gewesen ist, dann war das jetzt ein Geräuschvakuum.
»Ich ersuche euch um sachdienliche Hinweise, gerne unter vier Augen«, hat Herr Kriechbaum dann noch gesagt.
Sachdienliche Hinweise. Wie im Fernsehen!
Da hat der Ralf aufgezeigt. Ich hab gedacht, ich glaub, ich spinn! Das ist zum letzten Mal in der ersten Klasse oder so passiert. Sonst müssen ihn die Lehrkräfte aufrufen, weil er von selbst eh nie mitarbeitet. Dann redet er oft totalen Blödsinn, er ist nicht gerade eine Leuchte. Das ist sicher ein Grund, warum er dauernd auf mich hinpeckt.
»Mir ist aufgefallen«, hat er gesagt, »dass es immer passiert, wenn Peter während der Stunde am Klo war.«
Dabei hat er so richtig zufrieden dreingeschaut.
»Was? So eine Lüge!«, ist Susanne sofort herausgeplatzt.
Und ich: »Hast du einen Vogel?«
»Peter? Wer ist Peter?«, wollte Herr Kriechbaum wissen.
Ich bin aufgestanden.
»Mein Name ist Peter Bauer, Herr Inspektor und ich bin kein Dieb.«

Die alte Prophezeihung


Einer von ihnen wagt sich näher an Susanne heran und sein Zirpen wird lauter. Auf einmal rollt er schnell vor und zurück und vor und zurück. Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich sagen, der Tutulu verbeugt sich! Was geht da ab? Ich ziehe Susanne zu mir zurück und lege meinen Arm um ihre Schulter.
»Lass meine Freundin in Ruhe!«, rufe ich.
»Peter, hör auf«, zischt Susanne und schlägt meinen Arm weg.
»Das Fueermchäeden!«, fiept der Tutulu.
Ich verstehe kein Wort.
»Dhas Feuermädchen«, übersetzt Tara und macht große Augen.
»Du verstehst ihn?«
Tara nickt und zuckt mit den Schultern.
»Er meint Susannanne«, sagt Totu überrascht.
Maki reißt die Augen auf und schaut zwischen den Tutulu und uns hin und her.
»Oh«, flüstert Wala.
Da kommt ein weiterer Tutulu heran. Aus seinem Inneren schnellt ein langer Arm heraus, mit einem dünnen, faltigen Finger und einem runzligen Daumen – voll eklig! Und die spitzen Fingernägel! Der Tutulu fährt mit seinem Finger auf Susannes Gesicht zu.
»He, weg da!«, rufe ich und schlage den Arm zur Seite, bevor der Tutulu Susanne berührt.
Der soll sie bloß in Ruhe lassen!
»Nicht, Peter, ich glaube, der wollte nur meine Haare angreifen.«
»Und da graust dir nicht?«
»Fueermchäeden«, wiederholt der erste Tutulu.
Er starrt Susanne mit seinen großen, schwarzen Augen an. Ich finde seinen Blick böse. Er blinzelt nicht.
Dieses Starren der Tutulu! Wie Schlangen! Ich habe es schon mal gesehen. Das ist vor langer Zeit gewesen, als ich das erste Mal nach Taa‑Nrum L-6-4 gereist bin und Totu und Maki kennengelernt habe. Da habe ich die Tutulu zum einzigen Mal gesehen, aber aus größerer Entfernung! Bei ihren anderen Angriffen konnten wir sie immer vertreiben, bevor sie gelandet und aus ihren Raumschiffen ausgestiegen sind.
Manchmal träume ich nachts von diesen verfilzten Kugeln mit ihren Schlangenaugen. Grässlich! Einen Mund sehe ich bei dem Tutulu nicht. Was er zu Susanne sagt, dringt unter dem Filz aus seinem Inneren heraus!
Alle Tutulu kommen näher, bis sie mit den beiden eine Linie bilden. Sie rollen ein paarmal vor und zurück.
»Das Fueermchäeden wrid den Fidreen biregnn!«, zirpt ein dritter Tutulu.
»Das Feuerrrmädchen wird den Frieden bringen«, übersetzt Wala ungläubig.
»Du verstehst die Tutulu auch, Wala?«, frage ich verblüfft.
Meine Freundin nickt.
»Ich weiß nichttt, warum«, meint sie, fast entschuldigend.
»Die alte alte Weissagung!«, flüstert Maki und schaut entgeistert.
»Welche Weissagung, Maki?«, fragt Susanne.
»Eine Geschichte eine Geschichte, die wir Quomaiani erzählen, seit es uns gibt«, antwortet mein Freund.
»Es heißt, dhas Fheuermädchen wird von weit her kommen, uhnd auf Taa‑Nrum L‑6‑4 wird wieder Frieden sein«, ergänzt Tara.
»Feuermädchen?«
Susanne verdreht die Augen.
»Na, sie meinen mich, Peter, mit meinen roten Haaren. Wen denn sonst?«
»Das ist mir klar, Susanne, so blöd bin ich auch wieder nicht. Aber warum und wieso und wie, das kapiere ich nicht.«
»Ich auch nicht«, gibt Susanne zu und zuckt mit den Schultern.

Ende der Leseprobe.

Viel Spaß beim Lesen des Buches
»Susanne auf Taa-Nrum L-6-4 – weitere Sciencefiction-Abenteuer mit Entspannungsübungen nach Jacobson«
wünscht
Edith Mair