Peter auf Taa-Nrum L-6-4

Peter auf Taa-Nrum L-6-4 – Leseprobe

Das ist die Leseprobe zum Buch »Peter auf Taa-Nrum L-6-4 – Sciencefiction-Abenteuer mit Entspannungsübungen nach Jacobson« von Edith Mair

ISBN 978-3-7543-5395-0

Inhalt des Buches

Totu, Maki, Tara und Wala, Peters Freundinnen und Freunde, sind keine Menschen, nein, es sind Außerirdische! Quomaiani nennen sie sich, sie sind sehr stark und können blitzschnell laufen! Nachts, während Peter schläft, kann er zum fernen Planeten Taa-Nrum L-6-4 reisen, das ist die Heimat der Quomaiani.

Peter und die Außerirdischen haben viel Spaß miteinander, es gibt sogar ein spannendes Fußballmatch!

Peter lernt von den Quomaiani zahlreiche Entspannungsübungen. Die helfen ihm auf der Erde beim Lernen, und er ärgert sich weniger über seinen boshaften Mitschüler. Auch auf Taa-Nrum L-6-4 sind die Übungen hilfreich, denn dort gibt es die schaurigen Tutulu! Sie kommen in lärmenden Raumschiffen, um die friedfertigen Einwohner zu ängstigen. Aber die Tutulu verschwinden im Nu, sobald Peter, Maki, Totu, Tara und Wala mit ihren Entspannungsübungen beginnen!

Eines Tages bringen die heimtückischen Tutulu den gesamten Planeten in arge Bedrängnis!

Kann Peter helfen, wird alles gut ausgehen?

 

Die Kapitel:

Der erste Besuch auf Taa‑Nrum L‑6‑4 ….. 9

Die Rückkehr nach Taa‑Nrum L‑6‑4 ….. 26

Bei Wala und Totu zu Hause ….. 50

Viel Spaß auf Taa‑Nrum L‑6‑4 ….. 59

Eine Sternennacht auf Taa‑Nrum L‑6‑4 ….. 79

Noch mehr Sport auf Taa‑Nrum L‑6‑4 ….. 88

Die Rettung von Taa‑Nrum L‑6‑4 ….. 113

Nachwort für die Erwachsenen ….. 144

Mein erster Besuch auf Taa-Nrum L‑6‑4

Niemand würde sich hier freiwillig aufhalten wollen.
Warum dann ich?
Und – wie bin ich da hergekommen?
Wo war ich denn gerade noch? Ich kann mich nicht erinnern! Ich hab mich in mein Bett gelegt. Und dann? Ah, ich träume! Na klar! Ich zwicke mich mal in den Arm und werde nichts spüren! Ja, das mache ich. Autsch! Wieso tut das weh? Träume ich gar nicht? Puh, ist mir heiß!
»Juhuuu!«
Was war das? Ich sehe niemanden. Habe ich mir das leise Rufen eingebildet?
Ich schaue mich um, schaue, wo ich sitze. Ich befinde mich in einer Steinwüste, es ist eine Einöde ohne Bäume oder Sträucher! Dunkelrote, orangerote, hellrote und rotbraune Felsen liegen hier, andere sind rostrot, feuerrot und zinnoberrot.
Wieso sitze ich so unbequem? Aua, ich sitze ja auf einem spitzen Stein! Ich stehe auf und schaue in alle Richtungen. Was ich sehe, erschreckt mich! Überall nur Steine und Felsen, manche sind doppelt so hoch wie ich! Zwischen ihnen lugt das eine oder andere verdorrte Grasbüschel hervor. Sonst sind da keine Pflanzen, keine Tiere, keine anderen Lebewesen! Ich bin allein. Schön langsam wird mir mulmig zumute.
Ein kräftiger, heißer Wind zerzaust meine Haare. Oh, da stehen zwei Sonnen am Himmel! Bin ich in einen Sciencefiction-Film geraten? Nein, nein, nein, ich fange nicht zu weinen an! Ich bin elf Jahre alt und ein Bub, ich weine nicht. Auch nicht in dieser Wüste, allein, ohne irgendjemanden hier, der mir helfen kann und ohne Idee, wie ich von da wegkomme. Nein, ich weine sicher nicht!
»Juhuuu!«
Wer ruft denn schon wieder? Es ist ja niemand da!
»Hallo hallo, du!«
Woah, ich mache einen Satz nach hinten. Eben habe ich die Stimme noch von weit weg gehört, jetzt höre ich sie auf einmal neben mir! Ich glaub, mein Schwein pfeift, was ist denn das für ein dünnes, graues Dings?
»Nenn mich nicht Dings, ich bin bin ein Quomai.«
Gedankenlesen kann es auch!
»Ich bin kein Es! Ich bin ein Er! Ein Er bin ich! Der Quomai bin ich bin ich!«
Ein Quomai. Na gut.
»’tschuldige. Ich wollte nicht unfreundlich sein. Aber ich bin es nicht gewöhnt, dass jemand meine Gedanken lesen kann.«
Dieser Quomai hat lange Arme und Beine und ist einen dreiviertel Meter größer als ich. An seinem Kopf wachsen keine Haare und sein Hals ist viel länger als meiner! Statt Ohrmuscheln sehe ich nur kleine, runde Löchlein. Die lange Nase ragt kaum aus seinem Gesicht heraus.
Ich sehe lange Nägel an seinen drei dicken Fingern und am dicken Daumen. Auch seine vier Zehen mit den breiten Zehennägeln sind doppelt so dick wie meine! Der ganze Quomai schaut lustig aus!
»Und du glaubst, ich finde dich nicht auch lustig auch lustig, mit deinem gelben Gras am Kopf und deinen Flügeln, die rechts und links herauswachsen!«
Ich kann mich nicht an das Gedankenlesen gewöhnen. Aber ich muss darüber lachen, wie der Quomai redet.
»Das ist kein Gras, das sind meine Haare! Und es sind keine Flügel an meinem Kopf, das sind Ohren!« Ich lache noch einmal. »Damit höre ich, P optional was andere sagen. Ich kann nicht Gedankenlesen, ich bin ein Mensch. Und mein Name ist Peter. Wie heißt du?«
»Mein Name ist Maknoon Jamomas Latramuk Pastromit Wawalat, aber hier sagen alle Maki zu mir. Du kannst mich gerne auch Maki nennen Maki nennen. Und wie ist dein vollständiger Name?«
»Nur Peter Bauer. Ich kenne bei uns niemanden mit so einem langen Namen«, erwidere ich und zucke mit den Schultern.
»Wo ist dein ›bei uns‹, wo kommst kommst du her?«, fragt Maki.
»Ich komme aus Österreich. Kannst du mir bitte sagen, wo ich hier bin? Ich fürchte, ich bin gar nicht auf der Erde, wie immer ich hergekommen bin!«
»Österreich? Erde? Das kenne ich nicht. Du bist hier auf Taa‑Nrum L‑6‑4, das ist einer der kleineren Planeten kleineren Planeten im Sonnensystem Lux Dualis Dexplosibus.«
»Oh nein! Milchstraße?«, frage ich.
»Die kenne ich auch auch nicht«, antwortet Maki.
»Das ist unsere Galaxie«, erkläre ich enttäuscht.
»Galaxie Galaxie?«
»So nennen wir einen Haufen von Sonnensystemen, also, viele Sonnen mit ihren Planeten.«
»Ach so ist das ist das«, erwidert Maki.
»Kennst du dann die Andromeda?«
Maki schüttelt wieder den Kopf.
»Diese Galaxie ist der Milchstraße am nächsten.« Mah, in welchen Schlamassel bin ich da geraten? Wo bin ich denn bloß? Wenigstens verstehe ich, was Maki sagt! »Wieso sprichst du meine Sprache, wenn du von einem anderen Planeten bist?«
»Ich weiß nicht, es geht automatisch. Mit meinesgleichen rede ich anders. Und du bist der, der von einem anderen Planeten anderen Planeten kommt, nicht wahr?«
Stimmt, so kann man’s auch sehen.
»Und wie bin ich hergekommen?«
Keine Ahnung, was Maki antworten will, als er den Mund aufmacht, wird er von einem abscheulichen Geräusch gestoppt. Was heißt Geräusch! Ich höre es surren, pfeifen und zirpen, es knarzt, quietscht und knirscht, da ist ein Winseln, Stöhnen, Jammern und Brüllen – und alles gleichzeitig! Das ängstigt mich total! Ich schaue mich rasch um, aber da ist nichts, wo ich mich verstecken kann!
»Lauf!«, schreit Maki und rennt los.
Ich sause meinem neuen Freund sofort hinterher, aber weil meine Beine nur halb so lang sind wie seine, komme ich ihm kaum nach. Der Krach wird mehr und mehr und jetzt beginnt es auch noch laut zu zischen! Ich drehe mich für eine Sekunde um und sehe schwarze, glänzende Kugeln landen, die so groß sind, dass ich darin aufrecht stehen könnte!
An diesen fliegenden Kugeln hängen Schläuche, die wild auf und ab zucken. Wie Tentakel, die Fangarme eines Kraken, schauen sie aus! Schwarze Kugeln, so groß wie Tennisbälle, baumeln an ihren Enden. Sie flimmern und blinken in grellen Farben. Grässlich und beängstigend sehen diese Raumschiffe aus!
Ich laufe noch schneller, mah, ich kann nicht mehr! Aber es nutzt nix. Ich halte mir die Ohren zu und laufe so schnell wie noch nie in meinem Leben! Ich kriege kaum noch Luft, meine Lunge tut mir weh und mein Herz klopft zum Zerspringen! Aber ich laufe weiter und weiter, hinter Maki her, der sich immer wieder zu mir umdreht.

Meine Rückkehr nach Taa-Nrum L‑6‑4

Bäh, diese Stunde zieht sich wieder eeewig! Ich mag Frau Fuchs gern und sie mag mich auch, aber Biologie finde ich voll überflüssig! Wieso muss ich mir eine Stunde lang fade Geschichten über Tiere anhören? Wozu soll ich das alles lernen? Weil niemand neben mir sitzt, der mich ab und zu mal anstupsen könnte, muss ich mich echt anstrengen, damit mir nicht die Augen zufallen.
»Hallo Peter, wie geht es dir es dir?«
»Maki, was machst denn du da!«
Vor Schreck falle ich vom Sessel! Meine Mitschülerinnen und Mitschüler lachen.
»Der Bauer, der Vollpfosten, ist vom Sessel gefallen!«, grölt Ralf, mein Erzfeind.
Vor Kurzem hätte ich mich noch furchtbar über ihn geärgert. Aber durch die Entspannungsübungen meiner Freunde ist er mir egal. Echt egal. Wenn der Ralf boshaft zu mir ist oder wenn er was Gemeines über mich sagt, dann mache ich ein paar Übungen, ohne dass er es merkt. Und damit kann er mir den Buckel runterrutschen. Das klappt immer besser!
Ich schaue den Ralf dabei an, ohne was zu sagen. Das wurmt ihn, haha, und wie! Und ich habe keine Angst mehr vor diesem Grobian. Wenn er mich schubst, boxt oder tritt, dann gehe ich weg,P als wäre nichts gewesen, ich lasse ihn links liegen! Nur die Übung mit der Faust darf ich in der Schule nicht mehr machen, der blöde Ralf glaubt echt, ich balle die Faust, weil ich zornig auf ihn bin!
Ich hätte mich nie über seine Gemeinheiten kränken sollen, denn ich bin ja eh in allem besser als er! Und das ärgert den Ralf, darum ist er so ekelhaft zu mir! Ich bin viel schlauer und ein zehnmal so guter Schüler. Aber erst durch die Entspannungsübungen ist es mir wurscht, wenn er mich fertigmachen will.

Ich stehe vom Boden auf, setze mich hin und schaue Maki mit großen Augen an. Meine Mitschülerinnen und Mitschüler wenden sich ihren Büchern zu. Frau Fuchs wirft mir einen strafenden Blick zu und setzt mit dem Unterricht fort, als sei nichts gewesen. Hier sitzt ein Außerirdischer neben mir, der im Sitzen größer ist als ich im Stehen und keinen kümmert’s? Ja seid ihr denn alle blind? Oder kann nur ich Maki sehen?
»Was ist ein Maki«, fragt meine Freundin Susanne hinter mir.
»Ah«, sage ich schnell, »es war bloß eine Wespe, die mich erschreckt hat.«
»Und wieso nennst du sie Maki?«
»Ich nenne sie gar nix! Mah, geh, hab ich gesagt«, antworte ich und hoffe, dass mir Susanne glaubt.
»Ruhe ihr zwei!«, schimpft Frau Fuchs und Susanne schaut rasch wieder in ihr Biologiebuch.
Nicht mal meine Freundin sieht den Quomai, obwohl sie nur einen halben Meter von mir entfernt sitzt! Wie gibt es das, sieht ihn niemand in der Klasse? Und hat ihn keiner reden gehört? Mein Leben wird grad echt verwirrend!
Da fällt mir ein, dass mein Freund Gedankenlesen kann. Wir können uns unterhalten, ohne dass jemand was davon mitkriegt.
Maki, was machst du hier, denke ich, und wie bist du hergekommen? Ich freue mich eh total, dich zu sehen, denke ich weiter, aber es passt gerade nicht so gut. Ich sitze hier in der Schule und sollte lernen und zuhören.
Maki, der zwischen Ralf, Frau Fuchs und Susanne hin und her geschaut hat, schaut mich wieder an.
»Erstens – wie bin ich hergekommen?«, antwortet er, »wir Quomaiani können reisen reisen, nachts, wenn wir schlafen. Du kannst das auch, darum hast du uns besuchen können. Und zweitens – warum bin ich hier?« Maki holt tief Luft. »Wir brauchen deine Hilfe, Peter. Bitte gehe heute ganz früh schlafen, damit du zu uns reisen kannst! Und jetzt will ich will ich dich nicht mehr länger stören.«
Wie soll ich denn zu euch kommen, frage ich in Gedanken. Ich kann das nicht steuern!
Aber Maki ist verschwunden.

Bei Wala und Totu zu Hause


Wir gehen wieder ins Freie hinaus.
»Bei euch schaut es voll nett aus!«
»Dankkke, Peterrr«, sagt Wala.
Totu grinst erfreut. Ich schaue mich um und deute zu einem Gebäude neben dem Wohnhaus.
»Was habt ihr denn da drin?«
»Das isti der Schuppen«, antwortet Totu, »für unsere Schaufeln und Rechen und alles, was wir sonst noch auf dem Bauernhof brauchena.«
»Und wo steht der Stall?«
»Was isti ein Stall, Petera?«
Gibt es denn auf Taa‑Nrum L‑6‑4 keine Ställe?
»Auf der Erde bauen wir Häuser, in denen unsere Tiere wohnen«, versuche ich zu erklären.
»So was brauchen wir aufff Taa‑Nrum L‑6‑4 nichttt, Peterrr«, erwidert Wala schmunzelnd. »Die Tiere leben im Freien.«
»Ach so? Cool!«
Das würde den Kühen und Schweinen und Hühnern auf der Erde auch gefallen. Außer im ganz strengen Winter.
»Nur wira Quomaiani wohnen in einanem Haus«, fügt Totu an. »Aber tagsüber sind wir meist draußen.«
Da hören wir wieder Tutulu-Raumschiffe, es knarrt, kracht, quietscht und surrt!
»Wo sind sie denn?«, frage ich erschrocken und schaue mich um.
»Dort drüben!«, ruft Totu und deutet zum Himmel.
»Die Tutttulu kommen nicht zu unsss«, murmelt Wala ungläubig.
Stimmt, sie fliegen in großem Abstand an uns vorbei und steigen höher und höher, bis wir sie nicht mehr sehen. Puh, Glück gehabt! Ich schnaufe ein paarmal durch.
»Sie fliegena bestimmt nach Hause«, vermutet Totu.
Er schaut mich wieder an.
»Wo werden sie gewesen sein, Totu?«
»Sicher dort, wo keine Quomaiani sindi, Petera, sonst wären sie schneller verschwunden, als sie einen Purzelbaum schlagen können, knaknaknakna! Die Gefahr ist vorbei!«, beruhigt mich mein Freund.
»Ja, okay. Ich hab mich eh nur kurz erschrocken, hab nicht mit ihnen gerechnet.«
Ich lache Totu an.
»Alles ist wieder guttt«, versichert Wala. »Komm mit, Peterrr!«
Wir gehen ums Haus herum, da fließt der Bach, von dem Totu geredet hat.
»Oh, so viele Fische!«, rufe ich begeistert. »Und so viele Farben!«
»Wira nennen sie Wrumbatts.«
»Aha, Wrumbatts!«
Sie schauen ein bisschen wie unsere Fische aus, aber ihr Kopf sitzt auf einem kurzen Hals. Und die Flossen wachsen rund um ihren Körper herum. Voll witzig! Diese Wrumbatts in Totus und Walas Bach sind alle total bunt, wie die Fische auf der Erde im Karibischen Meer! Und sie huschen pfeilschnell durchs Wasser!
»Pass auf, Petera«, sagt Totu und grinst mich an.
Er geht in den Bach hinein, bis ihm das Wasser zu den Knien reicht, Totu dreht sich zu uns um, dann bleibt er regungslos stehen. Mein Freund schaut aufs Wasser, ohne zu blinzeln.
»Was macht Totu denn?«, frage ich Wala leise.
»Warrrte ab«, erwidert meine Freundin, zwinkert mir zu und lächelt.
Da saust Totus Arm blitzschnell ins Wasser und als er sich aufrichtet, zappelt ein Wrumbatt in seiner Hand! Totu hat ihn mit der Hand gefangen! Mein Freund ist noch schneller als diese Fische!
»Wow, bravo Totu!«, rufe ich.
Wala und ich klatschen.
»Ich bin dera größte Wrumbattfänger auf Taa‑Nrum L‑6‑4!«, ruft Totu.
Er hüpft von einem Bein aufs andere und stampft ins Wasser, dass es grad so spritzt! Das bringt Wala und mich zum Lachen! Totu wirft den Wrumbatt in den Bach zurück.
»Wieso behältst du ihn nicht und brätst ihn euch zum Essen?«
»Ich habe ihn nur zum Spaß gefangeni. Dieser Fisch schmeckta nicht, Petera.«
»Unserrre Wrumbatts kann man nichttt essen, Peterrr«, stimmt Wala zu.
Wie du dir denken kannst, will ich auch versuchen, einen Fisch mit der Hand zu fangen. Aber das wird nix! Sobald ich nur mit dem Arm zucke, saust der Wrumbatt davon!

Viel Spaß auf Taa-Nrum L‑6‑4


Ich hebe meinen Fußball auf, den ich beim Angriff der blöden Tutulu fallengelassen habe, laufe zum Tor und werfe den Ball aus. Damit beginnt das allererste Fußballspiel auf Taa‑Nrum L‑6‑4, mah, ich bin ganz aufgeregt!
Der Ball landet vor Tara. Sie schießt, nein, ihr Bein saust daneben vorbei, sie versucht es nochmals, ja, jetzt klappt es, sie schießt zu Maki, der kommt auf mich zu, oh, Totu nimmt ihm den Ball ab, dribbelt um Maki herum und vorbei an Tara. Totu läuft mit dem Ball so schnell, dass ich ihm mit den Augen kaum folgen kann, er läuft vom Tor weg und ans andere Ende des Spielfeldes!
»Hier bin ich, Totu, schieß zu mir!«
»Warte, Petera! Gleichi komme ich!«
Totu hält an, dreht sich um und grinst. Er nimmt einen kurzen Anlauf und läuft mit dem Ball Richtung Tor, wird schneller, noch schneller, immer schneller, ich werde beim Zuschauen ganz kribbelig! Totu kommt näher und näher, sein Mund steht weit offen, er kickt den Ball geschickt abwechselnd mit dem linken und rechten Fuß, wie ein Profi! Maki, Tara und Wala bleiben stehen und schauen ihm zu.
Totu kommt näher und näher, mir kommt vor, er wird immer schneller! Totu läuft, läuft, läuft, er reißt die Augen auf und schießt! Der Ball kommt rasend schnell auf mich zu und saust, ohne, dass ich was dagegen tun kann, über mir vorbei und ins Tor!
»Brrravo!«
Wala läuft zu Totu und umarmt ihn.
»Totu, du bist bist ein Ballfußkünstler!«, ruft Maki.
»Jha, das war ganz toll!«, stimmt Tara zu.
Alle drei klatschen begeistert. Totu grinst erfreut, streckt zwei Finger seiner Hände zum Victory-Zeichen in die Höhe und stolziert vor uns hin und her. Gibt es dieses Siegeszeichen auf Taa‑Nrum L‑6‑4 auch? So was! Ich hole den Ball und stelle mich wieder ins Tor.
Tja, so richtig ernsthafte und verbissene Gegner wollen die Quomaiani nicht sein, alle freuen sich ehrlich über Totus Tor. Das stelle ich mir auf der Erde vor, Rapid schießt ein Tor und die Spieler der Austria klatschen und gratulieren und freuen sich! Haha!
»Maki und Tara, warum habt ihr nicht versucht, Totu den Ball wegzunehmen?«
»Weil es einfhach so schön war, ihm zuzuschauen!«
»Stimmt, Totu ist ist ein Ballfußkünstler!«
»Fußballkünstler, Maki! Damit steht es eins zu null für das Team Totu-Wala. Geht bitte ein bisserl zurück, damit ich wieder auswerfen kann.«
Weiter geht es. Diesmal fällt Wala die Lederkugel vor die Füße. Sie holt mit dem linken Bein aus, tippt den Ball aber bloß ein bisserl an, er rollt nur wenige Zentimeter. Wala holt mit dem rechten Bein aus und bremst kurz vor dem Ball ab, der wieder nur ein kleines Stückchen rollt.
»Hau fester drauf, Wala!«, rufe ich.
»Guttt, ich versuche es nochmals!«
Maki, Totu und Tara stehen um sie herum und schauen ihr zu. Keiner nimmt ihr den Ball ab. Das ist das freundschaftlichste Match des Universums!
Wala presst die Lippen zusammen, sie holt mit dem linken Bein kräftig aus, der Ball rast auf mich zu und – aua, aua! Genau auf meine Nase! Uh, das tut weh, aua, aua! Pff, pff, durchatmen, uh, aua, es wird nicht besser, pff, pff, ich versuche, den Schmerz wegzuatmen, wie mir Susanne mal geraten hat. Das klappt aber nicht. Meine Freundinnen und Freunde laufen zu mir her.
»Oh, Peterrr, entschuldige bitte, es tut mir so leid! Ich wollte dir nichttt wehtun!«

Noch mehr Sport auf Taa-Nrum L‑6‑4


»Schaut mal, unser Freund Freund Peter ist wieder bei uns!«, ruft Maki.
»Hallo, Pheter, schön dich zhu sehen!«
Tara umarmt mich.
»Hurra, Peterrr, du bist zurückkk!«
Wala drückt mich an sich.
»Petera, fein, dass du da bisti«, freut sich Totu und lacht über das ganze Gesicht.
»Hallo, ihr alle, ich freue mich auch, euch zu sehen! Wieso wisst ihr immer, wo ihr mich trefft? Ihr seid jedes Mal genau da, wo ich auf Taa‑Nrum L‑6‑4 ankomme.«
»Das wissena wir nicht, wir haben gedacht, du weißti, wo wir sind!«
»Nein, das kann ich nicht steuern. Und wie macht ihr das, wenn ihr zu mir kommt?«
»Wir denken festtt an dich, Peterrr, bevor wir einschlafen«, sagt Wala lächelnd.
»Und im Nu sinda wir bei dir«, stimmt Totu zu.
»Echt spannend, wie das funktioniert!«
Ja, wir sind wieder auf Taa‑Nrum L‑6‑4 zusammen! Meine Freundinnen und Freunde halten alle ein anderthalb Meter langes Stück eines Makatokablattes in der Hand, das mit Luftwurzeln umwickelt ist. Erinnerst du dich an diese dicken Blätter, die wie Bretter aussehen? Maki hält ein zweites, kürzeres Stück für mich.
»Wira haben die Blätter gekürzt und für einige Zeit in warmes Wasser gelegt«, erklärt Totu. »Danach haben wira die Enden der Blätter aufgebogeni.«
»Jetzt schauen sie wie Snowboards aus!«, rufe ich begeistert. »Ihr seid so schlau!«
Das Snowboarden ist mir eingefallen, als Maki und Totu letzte Woche bei mir zu Besuch gewesen sind und wir uns wieder mal an unser cooles Fußballspiel erinnert haben. Dabei haben wir über unseren Lieblingssport geredet. Meine beiden Freunde haben von den schrägen Lauf- und Geschicklichkeitsspielen erzählt, die alle Quomaiani auf Taa‑Nrum L‑6‑4 spielen.
Ich habe Maki und Totu vom Snowboarden vorgeschwärmt. Damit verbringe ich im Winter viel Zeit, kaum liegt genug Schnee, starte ich los! Und ich habe versprochen, dass ich Tara, Wala, Maki und Totu diesen Sport beibringen werde.
Es gibt keinen Schnee auf Taa‑Nrum L‑6‑4, da ist es viel zu warm. Auf der Seite mit den beiden Sonnen ist es echt heiß. Und auf der anderen Seite hat es, glaube ich, so Mitte zwanzig Grad. Jahreszeiten gibt es hier auch nicht. Es bleibt immer gleich warm, hat mir Tara erklärt. Sie kann sich gar nicht vorstellen, dass bei uns riesige Eisberge im Meer schwimmen und dass es im Winter schneit und die Seen zufrieren!
Nein, auf dem Planeten der Quomaiani gibt es keinen Schnee. Aber Maki und Totu haben mir von einer Wüste mit Dünen erzählt, die aus ganz, ganz feinem Sand bestehen. Da müsste man super snowboarden können, nicht?
Ich schaue mich um, Dünen sehe ich hier aber nicht! Wir stehen auf der fruchtbaren Seite des Planeten in einer leuchtend grünen Wiese. Bäume und Sträucher blühen in allen Farben und duften total süß nach Schokolade und Pfirsichen und Marzipan!
Hier weiden Kmrzrnrtatis, ein Wort, bei dem ich mich immer wieder verhasple. Insekten, wie ich sie auf der Erde noch nie gesehen habe, schwirren um die Bäume und Sträucher herum. Manche sehen wie riesengroße Hornissen aus, und sie haben an jeder Seite vier Flügel!
»Ui, von denen möchte ich nicht gestochen werden!«, rufe ich.
»Gestochen gestochen?«, fragt Maki. »Keine Sorge, Peter, unsere Insekten sind ungefährlich!«
»Na, dann bin ich beruhigt.«
»Kein Tier auf Taa‑Nrum L‑6‑4 wird dhir irgendetwas tun«, versichert Tara.
»Kein Lebewawesen hier, Petera«, bekräftigt Totu.
Okay, außer den lästigen Tutulu.
»Die sind nicht sind nicht von hier, Peter, sie kommen von einem anderen Planeten.«
Maki hat meine Gedanken gelesen.

Die Rettung von Taa-Nrum L 6 4


Was ich sehe, schaut für mich wie ein riesiges Volksfest aus.
»Wie schön, dass dhu da bist, Pheter! Wir konnten nicht zu dir kommen, bei uhns auf Taa‑Nrum L‑6‑4 ist es so schrecklich geworden!«, ruft Tara.
Sie schüttelt traurig den Kopf.
»Wirklich, Tara? Was ist denn passiert?«
Ich habe echt ein schlechtes Gewissen. Wäre ich bloß früher gekommen! Ich verstehe nicht, was Tara meint, kein einziger Quomai hier schaut verängstigt drein oder macht ein finsteres Gesicht oder scheint krank oder verletzt zu sein. Ich werde von den Quomaiani freundlich angeschaut. Keiner kommt her und fragt, wer ich bin. Finden sie das unhöflich?
Da höre ich den widerlichen Krach, das Surren, Pfeifen, Brüllen, Knarzen und all die anderen Geräusche, die ich immer so ätzend finde! Geschwind mache ich meine Übung mit den Fäusten. Anspannen, halten, eins, zwei, drei, vier, fünf, und die Muskeln wieder lockern. Ich lasse die Bösewichte über mir nicht aus den Augen! Wer weiß, was ihnen einfällt? Mah, diesmal bedrohen uns echt viele Kugeln!
Oh, da nähert sich noch eine riesige Flotte der hässlichen Tutulu-Raumschiffe! Rasch die Übung mit den Oberarmen, beugen, anspannen, halten, bis fünf zählen und locker lassen, ah, das kribbelt so schön! Gleichzeitig mache ich die Übung mit den Fußsohlen. Da muss ich total aufpassen, damit ich nicht durcheinanderkomme! Der Lärm wird für mich leiser und leiser, je länger ich die Übungen ausführe. Jetzt bin ich ein bisserl stolz auf mich!
Ich glaube, es sind hundertmal mehr Raumschiffe als bei meinem letzten Besuch! Die blinkenden Kugeln sind viel größer als die Raumschiffe, die ich bisher gesehen habe. Sie sind halb so groß wie Heißluftballons! Ihre grellen Lichter erhellen das Stadion fast noch mehr als die zwei Sonnen. Unheimlich. Pff, wenn ich meine Übungen nicht hätte!
Ich schaue zu meinen Freundinnen und Freunden. Aber was ist mit ihnen los? Sie sitzen am Boden, kneifen die Augen zusammen und ihre Finger stecken in den Ohrlöchern! Was ist denn mit den anderen Quomaiani im Stadion los? Sie machen das genauso! Alle sitzen mit geschlossenen Augen und ihren Fingern in den Ohrlöchern. Das verstehe ich nicht. Ich bin der Einzige hier, der steht!
Aber nur für die nächsten drei Sekunden, dann werfe ich mich zu Boden. Die gemeinen Tutulu rasen mit ihren Raumfliegern ganz nah über uns hinweg! Puh, das war knapp! Ich bin so erschrocken, dass ich meine innere Ruhe vergesse und den Krach der Tutulu wieder in voller Lautstärke höre! Darum halte ich mir ebenso die Ohren zu.

Ende der Leseprobe.

Viel Spaß mit dem Buch
»Peter auf Taa-Nrum L-6-4 – Sciencefiction-Abenteuer mit Entspannungsübungen nach Jacobson«
wünscht
Edith Mair

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