Peter auf Taa-Nrum L-6-4

Das ist die Leseprobe zum Buch
»Peter auf Taa-Nrum L-6-4 – Sciencefiction-Abenteuer mit Entspannungsübungen nach Jacobson« von Edith Mair, ISBN 978-3-7412-9486-0

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Inhalt des Buches

Peter wäre ein ganz normaler Bub mit einem ganz normalen Leben, mit ganz normalen Problemen, Wünschen und Sorgen, wenn –  ja wenn er sich nicht eines Tages plötzlich auf dem unbekannten Planeten Taa-Nrum L-6-4, irgendwo im tiefen Weltall, wiederfinden würde!

Bei den Abenteuern, die Peter hier bestehen muss, helfen ihm seine neuen außerirdischen Freunde Maki, Totu, Tara und Wala. Von ihnen lernt Peter viele kleine Entspannungsübungen, die er in seinem Alltag auf der Erde oft brauchen kann und die Peter auch bei seinen Erlebnissen auf Taa-Nrum L-6-4 gute Dienste leisten. Denn die freundlichen Einwohner dieses Planeten haben sehr unangenehme Feinde …

Die Kapitel:

Mein erster Besuch auf Taa-Nrum L-6-4       9

Meine Rückkehr nach Taa-Nrum L-6-4       21

Viel Spaß auf Taa-Nrum L-6-4       38

Noch mehr Sport auf Taa-Nrum L-6-4         55

Die Rettung von Taa-Nrum L-6-4       72

Nachwort für die Erwachsenen       94

Mein erster Besuch auf Taa-Nrum L‑6‑4

Freiwillig würde niemand diese Gegend aufsuchen.
Oder überhaupt.
Warum dann ich?
Und vor allem – wie bin ich hier hergekommen?
Wo war ich denn gerade noch? Ich kann mich einfach nicht erinnern! Ich hab mich doch in mein Bett gelegt. Und dann? Ach so, ich träume! Jetzt kneife ich mich mal und werde nichts spüren! Ja, genau, das mache ich. Autsch! Wieso tut das denn weh? Träume ich doch nicht?
»Juhuuu!«
Was war das? Ich sehe niemanden, die leise Stimme habe ich mir wohl eingebildet.
Ich schaue mich um, schaue, wo ich sitze. Es ist eine Steinwüste, eine karge Landschaft, Felsen über Felsen in verschiedensten Größen und Formen und alle haben sie eine rötliche Farbe, dunkelrot, orangerot, hellrot, blass rot, rostrot, zinnoberrot und rotbraun. Kaum wo ist ein verdorrtes Büschel Gras zu sehen und auch sonst keine Sträucher oder Bäume.
Ein kräftiger Wind zerzaust meine Haare.
Ich sitze unbequem, aua, ich sitze ja auf einem spitzen Stein! Ich stehe auf, schaue nun in alle Richtungen bis zum Horizont. Der Ausblick beruhigt mich nicht. Überall nur totes Gestein! Weit und breit kein anderes Lebewesen.
Ich bin völlig allein! Schön langsam wird mir mulmig zumute.
Ich schaue zum Himmel – oh, es stehen zwei Sonnen am Firmament! Bin ich denn in einen Sciencefiction-Film geraten? Nein, nein, nein, ich beginne jetzt nicht zu weinen! Ich bin elf Jahre alt und ein Junge, da weint man nicht. Auch nicht in so einer seltsamen Situation.
»Juhuuu!«
Wer ruft denn schon wieder? Ist doch keiner da!
»Hallo hallo, du!«
Woah, jetzt mache ich einen Satz nach hinten. Die Stimme, die zuerst noch ganz ferne geklungen hat, ist plötzlich neben mir. Ich glaub, mein Schwein pfeift, was ist das denn für ein Ding?
»Nenn mich nicht Ding, ich bin bin ein Quomai.«
Gedankenlesen kann es also auch!
»Ich bin kein Es! Ich bin ein Er! Ein Er bin ich! Der Quomai bin ich bin ich!«
Ein Quomai. Na gut.
»’tschuldige. Ich bin es nicht gewöhnt, dass man meine Gedanken lesen kann.«
Der Quomai schaut eigentlich nicht zum Fürchten aus. Er ist etwa einen dreiviertel Meter größer als ich, so ungefähr zwei Meter zwanzig, ganz dünn, hat sehr lange Arme und Beine, hellgraue Haut, der Kopf sitzt auf einem langen Hals und ist viel ovaler als meiner. Ich sehe keine Ohrmuscheln, sondern nur kleine, runde Löchlein.
Er hat auch keine Haare, aber einen ganz runden, roten Mund und große, schwarze Augen. Die Nase ist, passend zum Kopf, auch sehr lang, ragt jedoch kaum aus dem Gesicht.
Der Quomai ist barfuß, ich sehe dicke Zehen, aber nur vier. Auch hat er vier dicke Finger, das heißt, drei Finger und einen Daumen. Die Nägel auf den Fingern und Zehen sind ziemlich wuchtig. Der ganze Quomai schaut irgendwie lustig aus.
»Und du glaubst, ich finde dich nicht auch lustig auch lustig, mit deinem gelben Gras am Kopf und deinen Flügeln rechts und links!«
Ich kann mich einfach nicht an das Gedankenlesen gewöhnen. Aber über seine Art zu reden muss ich lachen.
»Das ist doch kein Gras, das sind meine Haare. Und es sind keine Flügeln an meinem Kopf, das sind Ohren. Damit höre ich, was andere sagen. Ich kann nicht Gedankenlesen, ich bin nämlich ein Mensch. Und mein Name ist Peter. Wie heißt du?«
»Mein Name ist Maknoon Jamomas Latramuk Pastromit Wawalat, meine Freunde nennen mich Maki. Du kannst mich gerne auch Maki nennen Maki nennen. Und wie ist dein vollständiger Name?«
»Einfach Peter Bauer. Bei uns gibt es keine so langen Namen.«
»Wo ist dein ›bei uns‹, wo kommst kommst du her?«, fragt Maki dann.
»Ich komme aus Österreich. Kannst du mir bitte sagen, wo ich hier bin? Ich fürchte fast, ich bin gar nicht auf der Erde, wie auch immer ich hier hergekommen bin!«
»Österreich? Erde? Ich kenne das nicht. Du bist hier auf Taa‑Nrum L‑6‑4, das ist einer der kleineren Planeten kleineren Planeten im System Lux Dualis Dexplosibus.«
»Milchstraße?«, frage ich hoffnungsvoll.
»Nein, kenne ich auch auch nicht«, antwortet Maki.
»So heißt unsere Galaxie«, ergänze ich enttäuscht.
Der Quomai schüttelt den Kopf.
»Andromeda?«
Maki schüttelt wieder den Kopf.
»Diese Galaxie wäre meiner am nächsten.«
Mah, in welchen Schlamassel bin ich da geraten? Wo in aller Welt bin ich? Äh, im wahrsten Sinn des Wortes.
»Sag, wieso sprichst du meine Sprache, wenn du von einem ganz anderen Planeten bist als ich?«
»Woher soll ich das wissen das wissen? Es geht automatisch. Mit meinesgleichen rede ich ganz anders. Und außerdem bist du doch der, der von einem anderen Planeten Planeten ist, nicht wahr?«
Tja, wie man es eben betrachtet.
Das mit der gleichen, oder, na ja, ähnlichen Sprache ist wirklich Glück. Aber das einzige.
»Und wie bin ich hergekommen? Kannst du mir das sagen?«
Was immer Maki sagen will, als er den Mund aufmacht, wird er von einem schrecklichen Geräusch gestoppt. Was heißt Geräusch! Es ist ein Surren und Pfeifen, ein Zirpen, Knarzen, Kreischen und Knirschen, ein Schmerzenslaut, Winseln, Stöhnen, Jammern, Quietschen und Gebrüll und das alles auf einmal und durcheinander! Ich habe schreckliche Angst, aber da ist nichts, wohin ich mich verkriechen kann!
»Lauf!«, schreit Maki und rennt auch schon los.
Ich sofort hinterher, aber da meine Beine nur ungefähr halb so lang sind wie die meines neuen Freundes, kann ich ihm kaum folgen. Der Lärm wird immer mehr, ein Zischen nimmt überhand und als ich mich für eine Sekunde umdrehe, sehe ich seltsame Raumfahrzeuge landen.
Es sind große, schwarze, glänzende Kugeln mit unzähligen Tentakeln, an deren Ende kleinere schwarze Kugeln baumeln, die unentwegt in wechselnden, grellen Farben blinken. Grässlich und beängstigend sehen diese Flugkörper aus! Das veranlasst mich, noch schneller zu laufen, obwohl ich eigentlich schon fast am Ende bin! Ich halte mir die Ohren zu und laufe schneller als je zuvor in meinem Leben! Ich kriege kaum noch Luft, meine Lunge tut mir weh und mein Herz klopft zum Zerspringen! Aber ich laufe weiter und weiter, hinter Maki her.

Meine Rückkehr nach Taa-Nrum L‑6‑4

Bäh, diese Stunde zieht sich wieder eeewig! Frau Fuchs ist eh lieb und sie mag mich so gerne wie ich sie, aber Biologie interessiert mich nun mal trotzdem nicht besonders! Wieso muss man sich eine Stunde lang fade Erzählungen über irgendwelche Tiere anhören? Ob ich das jemals brauchen werde? Da ich keinen Sitznachbarn habe, fällt es mir echt schwer, die Augen offen zu halten.

»Hallo Peter, wie geht es dir es dir?«
»Maki, was machst du denn da!«
Vor Schreck falle ich vom Sessel! Die ganze Klasse lacht.
»Der Bauer, der Vollpfosten, ist vom Sessel gefallen!«, grölt Ralf, mein Erzfeind.
Bis vor kurzem hätte ich mich furchtbar über ihn geärgert oder gekränkt. Aber mittlerweile ist mir Ralf vollkommen egal, durch die Entspannungsübungen meiner Freunde. Wirklich vollkommen. Jedes Mal, wenn er boshaft zu mir war, meist hat er irgendwas Gemeines über mich gesagt, habe ich ein paar Übungen gemacht, ohne dass er es gemerkt hat und damit hat mir der Ralf den Buckel runterrutschen können. Das hat immer besser funktioniert.
Ich habe ihn dabei wortlos angeschaut und das hat ihn dann gewurmt, aber wie, haha! Und ich habe auch keine Angst mehr vor diesem Grobian. Wenn er mich angerempelt hat, geschubst oder getreten, bin ich einfach weggegangen als wäre nichts gewesen, ich habe ihn total links liegengelassen!
Nur die Übung mit der Faust kann ich nicht mehr machen, der Ralf, der Blödian, hat geglaubt, ich balle die Faust, weil ich mich über ihn ärgere!
Eigentlich hätte ich mich ja nie über seine Gemeinheiten kränken sollen, weil ich eh in praktisch allem besser bin als er und der Ralf wahrscheinlich nur deshalb so ekelhaft zu mir ist, weil ihn das wurmt.
Ich bin viel schlauer als er und ein zehnmal so guter Schüler. Aber erst durch die Entspannungsübungen nehme ich mir ihn und seine Schikaniererei wirklich nicht mehr zu Herzen.

Ich stehe vom Boden auf, setze mich wieder hin und schaue meinen außerirdischen Freund mit großen Augen an.
Meine Klassenkameraden wenden sich wieder ihren Büchern zu und Frau Fuchs setzt, nach einem strafenden Blick in meine Richtung, ihren Vortrag fort, als sei nichts gewesen.
Ja seid ihr denn alle blind? Hier sitzt ein Außerirdischer neben mir, der im Sitzen größer ist als ich im Stehen und keinen kümmert’s?
Oder kann nur ich Maki sehen?
»Was ist ein Maki«, fragt meine Freundin Susanne hinter mir.
»Ach«, sage ich schnell, »es war bloß eine Wespe, die mich erschreckt hat.«
»Und wieso nennst du sie Maki?«
»Ich hab nicht ›Maki‹ gesagt, sondern ›mah, geh‹!«, antworte ich und hoffe, dass Susanne mir das glaubt.
»Ruhe ihr beiden«, schaltet sich nun Frau Fuchs ein und meine Freundin schaut wieder in ihr Biologiebuch.
Wenn aber nicht mal Susanne, die nur einen halben Meter entfernt ist, den Quomai bemerkt hat, dann ist er vielleicht wirklich für alle anderen unsichtbar?
Mein Leben wird zusehends verwirrender!
Maki, was machst du hier, denke ich nun, und wie bist du überhaupt hergekommen?
Mein Freund kann ja Gedankenlesen, fällt mir rechtzeitig ein. So können wir uns unterhalten, ohne dass jemand etwas davon mitbekommt.
Ich freue mich natürlich wahnsinnig, dich zu sehen, denke ich weiter, aber momentan ist es gerade etwas ungünstig. Ich bin hier in der Schule und sollte eigentlich aufpassen und zuhören.
»Erstens – wie bin ich hergekommen«, antwortet Maki, »wir Quomaianer können reisen reisen, nachts, wenn wir schlafen. Du kannst das auch, darum hast du uns besuchen können.« Er holt tief Luft. »Und zweitens – warum bin ich hier: wir brauchen deine Hilfe, Peter. Bitte gehe heute sobald es geht es geht schlafen, damit du zu uns reisen kannst!«
Ja, wie denn, ich kann das doch nicht beeinflussen, rufe ich in Gedanken. Aber Maki ist bereits verschwunden.

Viel Spaß auf Taa-Nrum L‑6‑4


Ich hebe meinen Fußball auf, den ich beim Angriff der blöden Tutulu fallengelassen habe, laufe zum Tor und eröffne mit dem Auswerfen des Balls das erste Fußballspiel der quomaianischen Geschichte! Ah, was für ein historischer Moment!
Der Ball landet vor Tara. Sie schießt, nein, ihr Bein saust daneben vorbei, sie probiert es nochmals, ja, jetzt klappt es, sie schießt zu Maki, der kommt auf mich zu, oh, Totu nimmt ihm den Ball ab, dribbelt gekonnt um Maki herum und vorbei an Tara.
Totu läuft mit dem Ball so schnell, dass ich ihm mit den Augen kaum folgen kann, weg vom Tor und ganz ans Ende des Spielfeldes!
»Hier bin ich, Totu, du musst doch zu mir schießen!«
»Warte, Petera«, ruft er, »gleichi komme ich!«
Totu ist nun stehen geblieben und dreht sich um, sein fröhliches Grinsen sehe ich von weitem. Er nimmt einen kurzen Anlauf und läuft nun mit dem Ball in Richtung Tor, wird schneller, noch schneller, immer schneller, ich werde beim Zuschauen ganz kribbelig, Totu kommt näher und näher, kickt den Ball immer geschickt abwechselnd mit dem linken und dem rechten Fuß, er ist ein richtiges Naturtalent!
Maki, Tara und Wala stehen und schauen ihm fasziniert zu.

Noch mehr Sport auf Taa-Nrum L‑6‑4


»Hallho, Pheter, schön dich zu sehen!« Tara umarmt mich herzlich.
»Peter, fein, dass du wiedera da bist«, freut sich Totu und klopft mir auf die Schulter.
»Schaut mal, unser Freund Freund Peter ist wieder bei wieder bei uns!« Maki lacht über das ganze Gesicht.
»Hurra, Peterrr ist zurückkk!« Auch Wala umarmt mich.
»Hallo meine lieben Freunde, ich freue mich auch, euch zu sehen! Wieso wisst ihr eigentlich immer, wo genau ihr mich treffen werdet? Ihr seid jedes Mal exakt da, wo ich auf Taa‑Nrum L‑6‑4 ankomme.«
»Das wissena wir nicht, wir dachten, du weißti, wo wir sind!«
»Nein, ich kann das nicht steuern. Und wie macht ihr das, wenn ihr zu mir kommt?«
»Dann denken wir ganzzz fest an dich, Peterrr, bevor wir einschlafen«, sagt Wala und lächelt mich an.
»Und im Nu sinda wir bei dir«, bestätigt Totu.
»Ist eigentlich unglaublich, wie das funktioniert, nicht? Na, Hauptsache wir finden immer sofort zueinander!«
Ja, wir sind wieder zusammen auf Taa‑Nrum L‑6‑4, ist das schön! Und die vier Quomaianer haben jeder ein Stück des Makatokastrauches in der Hand, mit den Luftwurzeln umwickelt. Du erinnerst dich, diese Bretter, die rund um unser Fußballfeld gewachsen sind? Maki hat zwei, für mich auch eines. Die Freunde haben die Bretter gekürzt, sie sind nun etwa anderthalb Meter lang, meines ist etwas kürzer. Wie sehen sie jetzt aus? Genau! Wie Snowboards!
Die Idee hatte ich, als Maki und Totu letzte Woche bei mir zu Besuch waren und wir wieder mal über unser einzigartiges Fußballspiel geschwärmt haben. Dabei haben wir von unseren Lieblingssportarten gesprochen. Auf Taa‑Nrum L‑6‑4 sind derzeit einige verrückte Lauf- und Geschicklichkeitsspiele groß in Mode, die auch meine beiden Freunde sehr lustig finden. Ich habe Maki und Totu von meiner liebsten Freizeitbeschäftigung im Winter, dem Snowboarden, erzählt.
Und dann fassten wir den Entschluss, dass ich meinen Freunden diesen Sport beibringen werde. Zwar gibt es auf Taa‑Nrum L‑6‑4 keinen Schnee, dazu ist es viel zu warm. Auf der Seite mit den beiden Sonnen ist es sehr warm, fast heiß und auf der anderen Seite hat es eine angenehme Temperatur, wahrscheinlich so Mitte zwanzig Grad.
Nein, Schnee gibt es keinen auf dem Planeten meiner Freunde, aber an mehreren Orten sind Dünen, deren Sand ganz, ganz fein ist. Das müsste doch auch klappen!
Und nun bin ich hier! Wie beim letzten Mal bin ich auf dem fruchtbaren Teil des Planeten angekommen, wir stehen auf einer leuchtend grünen Wiese, viele Bäume und Sträucher blühen in allen möglichen Farben und verströmen einen intensiven, aber sehr angenehmen Duft.
Da und dort weiden Tiere, die ein bisschen unseren Kühen ähneln und – so hat Totu mir erzählt – wirklich auch für die Milchgewinnung gezüchtet werden. Man nennt sie Kmrzrnrtatis, ein Wort, das nur ein Quomai aussprechen kann, ohne einen Hustenanfall zu bekommen. Im Gegensatz zu unseren Kühen sind die Kmrzrnrtatis aber lila. Nein, das war ein Scherzchen, haha, das stimmt natürlich nicht, hier auf Taa‑Nrum L‑6‑4 kennt man keine Schokoladenwerbung! Die Tiere sind rötlichbraun, sie haben einen Rüssel, mit dem sie das Gras aufnehmen und ihr Schwanz ist mehr als doppelt so lang wie bei den »erdischen« Kühen. Damit können sie die Insekten prima vom ganzen Körper vertreiben. Und außerdem haben sie alle sehr lange, gedrehte Hörner.

Die Rettung von Taa-Nrum L 6 4

»Wir konnten nicht zhu dir kommen, es sind derzeit so schreckliche Zustände bei uhns auf Taa‑Nrum L‑6‑4!«, sagt Tara ganz im Gegensatz zu meinen Eindrücken.
»Was ist denn passiert, Tara?«
Nun habe ich wirklich ein schlechtes Gewissen. Wäre ich doch bloß früher gekommen! Ich kann mir absolut nicht vorstellen, was Tara meint, kein einziger Quomai hier schaut irgendwie ängstlich oder böse oder scheint krank oder verletzt zu sein. Ich werde von den Quomaianern auch freundlich angeschaut, aber keiner kommt her und fragt, wer ich bin. Vielleicht finden sie das unhöflich.

Plötzlich höre ich wieder das schreckliche Geräusch, das Surren, Pfeifen, Brüllen, Knarzen und all die anderen nervtötenden Töne, die ich von meinen vielen Besuchen schon zu gut kenne. Geschwind mache ich meine Übung mit den Fäusten. Anspannen, halten, eins, zwei, drei, vier, fünf, locker lassen.
Oh, eine riesige Armada dieser eigenartigen, hässlichen Raumfahrzeuge der Tutulu fliegt auf das Stadion zu! Rasch die Übung mit den Oberarmen – beugen, anspannen, wieder halten bis fünf, locker lassen, ah das kribbelt schön – und gleichzeitig mache ich die Übung mit den Fußsohlen. Das erfordert meine ganze Konzentration. Der Lärm wird leiser und leiser und verstummt, je länger die Übungen dauern, ich bin sehr stolz auf mich.
Es sind sicher hundertmal mehr Raumschiffe als beim letzten Mal, die beiden Sonnen werden richtiggehend verdunkelt (Ich bin wieder auf der anderen, kargen Seite des Planeten, das Gras im Stadion ist künstlich). Auch sind die fliegenden Kugeln nun viel größer! Ihre grellen Lichter erleuchten das Stadion fast noch mehr als die Sonnen. Unheimlich! Pff, wenn ich meine Übungen nicht hätte!
Ich richte meinen Blick weg vom Himmel.
Was ist denn mit meinen Freunden los? Sie sitzen am Boden, kneifen die Augen zusammen und stecken ihre Finger in die Ohrlöcher! Was ist denn mit den anderen Quomaianern im Stadion los? Sie machen es genauso! Alle haben die Augen geschlossen und einen Finger in jedem der Ohrlöcher stecken!
Das verstehe ich nicht. Ich bin der Einzige, der aufrecht steht.
Aber nur für die nächsten drei Sekunden, dann werfe ich mich zu Boden. Die gemeinen Tutulu rasen mit ihren Raumfliegern ganz nah über uns hinweg! Puh, das war knapp! Ich bin so erschrocken, dass ich meine innere Ruhe vergesse und plötzlich den Krach der Tutulu wieder in voller Lautstärke höre! Darum halte auch ich mir die Ohren zu.

Ende der Leseprobe.

Viel Spaß mit dem Buch
»Peter auf Taa-Nrum L-6-4 – Sciencefiction-Abenteuer mit Entspannungsübungen nach Jacobson«
wünscht
Edith Mair

 

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