Gestatten, mein Name ist Hamster – Klettermaxe

Eine ganze Woche hat es gedauert, bis ich wieder aus meinem Käfig durfte! Die schlimmste Zeit in meinem Leben! Normalerweise darf ich fast jeden Tag in meinem Revier herum laufen.

Hin und her und rauf und runter

Heute ist es endlich wieder so weit, Frauli sagt, ich bin gesund und sie öffnet die Käfigtür.
Na, da muss ich doch sofort ein paar Runden durch mein Revier drehen! Und danach gleich dieses eigenartige Gerüst näher erkunden. Es erscheint mir sehr interessant.
Das Ding ist ein bissel verschnörkelt und verziert, hat ein großes Rad auf einer Seite, viele Querstreben, die ich zum Kraxeln gut verwenden kann und das Beste – Frauli mag nicht, wenn ich da herumturne, hähä!
„Geh weg da von der alten Nähmaschine, sonst fällst du runter, Billie“, sagt sie.
Merkst du was? Billie, nicht mehr Billi. Frauli-Wesen hat endlich kapiert, dass ich ein Weibchen bin!
Sie hat ihrem kleinen, schwarzen Kästchen (oh, dieser Lärm!) erzählt, dass sie nochmals ausführlich über die Unterscheidungsmerkmale gelesen hat.
Vor allem der runde Popo ist ein Kennzeichen für Weibchen (sag ich doch!) und Frauli hat von kurzem i und langem ie im Namen gesprochen (das sagt mir nichts).
Und dass der Tierhändler gemeint hätte, wahrscheinlich ein Männchen. Ja, ja, der glaubt auch, dass Hamster gerne in Streichholzschachteln wohnen.
Von meinem Klettergerüst bin ich aber erst ein einziges Mal herunter gefallen und das hat fast gar nicht oder nur ein ganz kleines bisschen oder zumindest nicht sehr oder höchstens nur ganz kurz oder fast unmerklich weh getan. Kaum der Rede wert.
(Aua!)
Gleich daneben ist etwas, das nennt Frauli „Heizung“. Dahinter kann ich fein hochkraxeln, wenn ich mich mit dem Rücken fest gegen die Wand stemme. Ein Stückerl zumindest, dann rutsche ich wieder runter.
Mein Frauli-Wesen sagt zu mir: „Gut dass die Heizung nicht eingeschaltet ist, sonst würdest du dir deine Pfoten verbrennen.“
Pfoten verbrennen? Das kann ich nicht gebrauchen, muss also auf der Hut sein, wenn ich diese „Heizung“ erkunde.
Eines Tages gelingt es mir – ich kann mich bis nach oben stemmen! Bin schon ein kräftiges Kerlchen, gell? Dann stehe ich auf diesem Heizungsding und kann mir mein Revier von oben anschauen. Sehr interessant von hier! Und es geht ganz schön weit runter. Aufpassen, Billie!
Ach, Frauli! Nicht schon wieder nehmen und auf den Boden setzen! Ja, eh, ich kann runter fallen, ich kann mir weh tun, bladibla, ja, ich höre dir zu!
Bei einem der nächsten Male habe ich mehr Glück. Frauli ist so in ihr Buch vertieft, sie bemerkt nicht, dass ich schon wieder an der Heizung hoch kraxle. Nach einer kurzen Verschnaufpause kann ich heroben fein hin und her laufen und ausgiebig mein Revier bewundern. Aber das ist noch nicht alles!
Etwa dreiviertel Hamsterlängen oberhalb der Heizung ist das Fensterbrett. Und darauf stehen einige große und kleine Blumentöpfe. Dazwischen kann man fein umher laufen. Die meisten Blumen sind aber gar keine, sondern so stachelige Dinger, da muss ich aufpassen, damit ich mit meinem Fell nicht an ihnen hängen bleibe.
Aber es stehen da auch drei Orchi … Orchi … ach, jetzt habe ich mir nicht gemerkt, was Frauli ihrem Kästchen erzählt hat. Egal, diese Orchi-Dinger haben laaange Wurzeln, die seltsamerweise nicht in der Erde wachsen, sondern in der Luft!
Und die schmecken nicht mal so schlecht. Sind aber angeblich nicht gesund für mich. Frauli hört es, wenn ich an ihnen knabbere, ich weiß auch nicht, warum, so vertieft kann sie in ihr Buch gar nicht sein.
„Nicht, Billie, hörst du sofort auf! Das ist sicher giftig für dich!“

Fang mich, Frauli!

Dann stürzt sie herbei und – ja, du kennst das schon – sie will mich nehmen und wieder auf den Boden setzen. Aber das gelingt ihr nicht sofort, hihi! Ich schlüpfe zwischen den kleinen Blumentöpfen durch und Frauli erwischt mich nicht! Sie muss genauso wie ich aufpassen, dass sie sich nicht an den stacheligen Pflanzen sticht.
Hier bin ich, Frauli, hier! Nein, ätsch, da! Da bin ich! Kuckuck! Und schon wieder daneben gegriffen, da bin ich nicht mehr! Ha! Bis du die Blumentöpfe auseinander schiebst, bin ich schon am anderen Ende der Fensterbank!
Irgendwann erwischt sie mich doch. Leider.
Am Boden steht noch ein Blumentopf. Aber auch da ist keine Blühpflanze drinnen, sondern ein Gewächs mit langen, dünnen Blättern. Leider kann ich es nicht näher untersuchen, weil der Topf zu hoch für mich ist, ich komme da nicht rauf.
Schade.
Dann hält Frauli mir wieder dieses Karotti-Dings vor meine Nase. Soll ich es wagen? Soll ich es aus Fraulis Vorderpfote nehmen?
„Na, los, Billie, trau dich doch, beiß rein ins Karotti! Wirst sehen, es schmeckt dir!“
Hmm. Soll ich? Soll ich meinem Frauli-Wesen vertrauen? Oder führt sie etwas im Schilde?
Weißt du was, Frauli, leg dieses Karotti einfach auf den Boden und ich hole es mir. Okay?
Aber Frauli hält leider nichts davon.
Dann setzt sie sich auf den Boden. Ha! Da kann ich jetzt unter ihr schwarzes Fell hinein krabbeln, ohne dass ich an ihren Beinen hinunter rutsche. Aber ich komme nicht weit, schon nach drei, vier Hamsterlängen ist Schluss, Frauli versperrt mir den Weg. Geh, Frauli, du Spaßbremse!
Also kraxle ich außerhalb ihres Fells auf den Beinen meines Fraulis herum, rauf auf das eine Bein, runter, rauf auf das andere, hin und her, das macht Spaß, das ist ja etwas ganz Neues!
Frauli hat immer noch das Karotti in der Hand, aber ich glaube, ich lasse es für diesmal. Ich möchte erst ganz sicher sein, dass ich es gefahrlos fressen kann.
Ich hüpfe von Fraulis Beinen herunter, laufe um sie herum und versuche, auf ihren Rücken zu kraxeln. Aber sie lacht heftig und schüttelt sich.
„Billie! Deine Krallen kitzeln so!“
Halt still, Frauli! Wie soll man denn da ordentlich klettern können? Schließlich schaffe ich es, ich sitze stolz auf Fraulis Schulter. Am Kopf wächst meinem Frauli ein außergewöhnlich langes Fell, das bis zu mir herunter reicht. Ich versuche, mich daran festzuhalten, um auf Fraulis Kopf hinauf klettern zu können. Aber dann, du wirst es dir denken können, nimmt sie mich in ihre Vorderpfote und hebt mich zu Boden. Habe ich schon erwähnt, dass ich das nicht leiden kann? In dieser Hinsicht ist mein Frauli-Wesen leider gar nicht lernfähig!
Sie hält mir noch einmal das Karotti vor die Nase, aber jetzt fresse ich es schon gar nicht, jetzt bin ich nämlich sauer. Immer dieses Anfassen, so was! Rasch unters Sofa gesaust und dort will ich jetzt ordentlich beleidigt sein.
Recht lange halte ich es aber nicht aus, der Hunger treibt mich in meinen Käfig. Tja.

Es ist meins

Ein paar Tage später entdeckt Frauli leider mein geheimes Vorratslager.
Ich hab’s übertrieben. Hab mir die Backen so voll gestopft wie es nur geht, hab den Inhalt des frisch gefüllten Futternapfes komplett in mich hinein gemampft, damit ich nicht mehrmals laufen muss.
Danach flitze ich aus meinem Käfig und unters Sofa. Ganz hinten an der Wand, das erscheint mir ein geeignetes Versteck.
Ich gebe das ganze Futter aus meinem Maul auf den Boden, forme einen netten Hügel, es muss ja alles seine Ordnung haben. Aber nun begehe ich leider den schlimmen Fehler, zu rasch wieder – mit leeren Backen – unterm Sofa hervor zu kommen.
Frauli sagt zu mir: „So schnell kannst du das nicht alles gefressen haben.“
Worauf du dich verlassen kannst, Frauli, bin doch kein Gierschlund! Es sollte auch für Notzeiten sein!
Frauli legt sich auf den Bauch, schaut unter das Sofa, sieht meinen Vorrat und lacht schallend.
„Hahaha, ein ganzer Haufen!“
Ha, ha.
Sehr witzig.
ROFL. Rolling on se floor wis lafda . Schon leicht zu erheitern, mein Frauli-Wesen. Ich verstehe nicht, was daran so lustig sein soll!
Frauli frisst mir meine Körner aber nicht weg. Hab ich kurz befürchtet.
Nur manchmal kommt mir vor, als würde mein Vorrat verschwinden, ohne dass ich selbst ihn gefressen habe. An einem Tag bin ich ganz sicher, ein paar Körner und Mehlwürmer aufgehoben zu haben und wenn ich am nächsten Tag schaue – ist nichts mehr da!
Wenn ich es nicht besser wüsste, müsste man glauben, hier wäre ein weiterer Hamster! Rieche aber nirgends einen.
Das fehlte mir noch! Vielleicht gar ein Männchen, brrr! Zum Windelwaschen und Singen von Kinderliedern habe ich wirklich keine Lust.
Bin auch noch zu jung dazu.
Vielleicht waren’s Zwitschi und Plärri, die zwei bunten Schreihälse? Wollten sie mal etwas Vernünftiges fressen? Aber außerhalb ihres Käfigs habe ich sie noch nie gesehen.
Schauen mir nur immer doof von oben beim Durchstreifen meines Reviers zu und trippeln nervös von einem Bein aufs andere, wenn ich mich dem Wagerl nähere, auf dem ihr Käfig steht.
Sie müssen mal schlechte Erfahrungen mit Hamstern gemacht haben. Aber ich bin friedlich, keine Sorge.
Ich komme schon noch drauf, wer sich an meinem Fressen vergreift. Und der kann was erleben!

 

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