Gestatten, mein Name ist Hamster – Klettermaxe

Hin und her und rauf und runter

Heute ist es endlich so weit, Frauli sagt, ich bin wieder gesund und sie öffnet die Käfigtür.
Na, da muss ich doch sofort ein paar Runden durch mein Revier drehen! Und danach gleich dieses eigenartige Klettergerüst näher erkunden. Es erscheint mir sehr interessant.
Das Ding ist ein bissel verschnörkelt und verziert, hat ein großes Rad auf einer Seite, viele Querstreben, die ich zum Kraxeln gut verwenden kann und das Beste – Frauli mag nicht, wenn ich da herumturne, hähä!
„Geh weg da von der alten Nähmaschine, sonst fällst du runter, Billie“, sagt sie.
Merkst du was? Billie, nicht mehr Billi. Mein Frauli-Wesen hat endlich kapiert, dass ich ein Weibchen bin!
Sie hat ihrem kleinen, schwarzen Kästchen (oh, dieser Lärm!) erzählt, dass sie nochmals ausführlich über die Unterscheidungsmerkmale gelesen hat.
Vor allem der runde Popo ist ein Kennzeichen für Weibchen (sag ich doch!) und Frauli hat von kurzem i und langem ie im Namen gesprochen (das sagt mir nichts).
Und dass der Tierhändler gemeint hätte, wahrscheinlich ein Männchen. Ja, ja, der glaubt auch, dass Hamster gerne in Streichholzschachteln wohnen.
Von meinem Kletterspielzeug bin ich aber erst ein einziges Mal herunter gefallen und das hat fast gar nicht oder nur ein ganz kleines bisschen oder zumindest nicht sehr oder höchstens nur ganz kurz oder fast unmerklich weh getan. Kaum der Rede wert.
(Aua!)
Gleich daneben ist etwas, das nennt Frauli „Heizung“. Dahinter kann ich fein hochkraxeln, wenn ich mich mit dem Rücken fest gegen die Wand stemme. Ein Stückerl zumindest, dann rutsche ich wieder runter.
Mein Frauli-Wesen sagt zu mir: „Gut dass die Heizung nicht eingeschaltet ist, sonst würdest du dir deine Pfoten verbrennen.“
Pfoten verbrennen? Das kann ich nicht gebrauchen, muss also auf der Hut sein, wenn ich diese „Heizung“ erkunde.

Es ist meins!

Ein paar Tage später entdeckt Frauli leider mein geheimes Vorratslager.
Ich hab’s übertrieben.
Hab mir die Backen so voll gestopft wie es nur geht, den frisch gefüllten Futternapf komplett leer gemacht, damit ich nicht mehrmals laufen muss und flitze dann unters Sofa.
Ganz hinten an der Wand, das erscheint mir ein geeignetes Versteck. Ich leere meine Backen aus und begehe dann den schlimmen Fehler, zu rasch wieder – mit leeren Backen – unterm Sofa hervor zu kommen.
Frauli sagt zu mir: „So schnell kannst du das nicht alles gefressen haben.“
Worauf du dich verlassen kannst, Frauli, bin doch kein Gierschlund! Es sollte auch für Notzeiten sein!
Frauli legt sich auf den Bauch, schaut unter das Sofa, sieht meinen Vorrat und lacht schallend.
„Hahaha, ein ganzer Haufen!“
Ha, ha.
Sehr witzig.
ROFL. Rolling on se floor wis lafda. Schon leicht zu erheitern, mein Frauli-Wesen. Ich verstehe nicht, was daran so lustig sein soll!
Frauli frisst mir meine Körner aber nicht weg. Hab ich kurz befürchtet.
Nur manchmal kommt mir vor, als würde mein Vorrat verschwinden, ohne dass ich selbst ihn gefressen habe. An einem Tag bin ich ganz sicher, ein paar Körner und Mehlwürmer aufgehoben zu haben und wenn ich am nächsten Tag schaue – ist nichts mehr da!
Wenn ich es nicht besser wüsste, müsste man glauben, hier wäre ein weiterer Hamster! Rieche aber nirgends einen. Das fehlte mir noch! Vielleicht gar ein Männchen, brrr! Zum Windelwaschen und Kinderlieder singen steht mir wirklich nicht der Sinn.
Bin auch noch zu jung dazu.
Vielleicht waren’s Zwitschi und Plärri, die zwei bunten Schreihälse? Wollten sie mal etwas Vernünftiges fressen? Aber außerhalb ihres Käfigs habe ich sie noch nie gesehen.
Schauen mir nur immer doof von oben beim Durchstreifen meines Reviers zu und trippeln nervös von einem Bein aufs andere, wenn ich mich ihrem Wagerl nähere, auf dem ihr Käfig steht.
Sie müssen mal schlechte Erfahrungen mit Hamstern gemacht haben. Aber ich bin friedlich, keine Sorge.
Ich komme schon noch drauf, wer sich an meinem Fressen vergreift. Und der kann was erleben!

 

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