Gestatten, mein Name ist Hamster – Die Ankunft

Mich will es haben? Im Ernst?
Mich?
Ich bin in einer Tierhandlung. Meine Geschwister und ich, Cousins, Cousinen und weitere Verwandte und Bekannte, wir alle sind in einem großen Käfig. Wenn Menschenwesen hereinkommen, rätseln wir, wen von uns es diesmal erwischen wird. Das Wesen, das uns füttert, öffnet den Käfig und greift rein. Wir laufen wild durcheinander und schauen, dass wir wegkommen und uns irgendwo verstecken können.
Aber die große Vorderpfote erwischt einen von uns. Immer. Die Menschenwesen nehmen das arme Würstchen mit und gehen wieder. Was mag mit diesem Hamster passieren? Wir erfahren es nie.
Letztes Mal hat es den grauen Grobian erwischt, der uns alle immer von der Futterschüssel wegdrängt und sich die besten Leckerlis schnappt. Na, dem weinen wir keine Träne nach.
Und dieses Menschenwesen will jetzt mich! Weg da! Weg alle, ich will rein in den hohlen Baumstamm, iiich! Ich will mich verstecken! Rette sich, wer kann! Schubs mich nicht, Cousin Langzahn! Wer hält sich da an meinem Schwänzchen fest? Aua, Braunchen, du stehst auf meinem Fuß!
Oh je, das Fütterwesen hebt den Baum hoch und schüttelt ihn! Niiicht! Aber ich halte mich fest. Ich lasse nicht los. Ich laffe nifft lof und halte miff mit meinen Tfähnen ganf feft!
Die anderen purzeln der Reihe nach aus dem Baumstamm raus. Ihr Luschis! Oh je, festhalten hat nix genützt. Ich komme samt meinem hohlem Baum in einen Käfig. Aber ich bleibe im Baum und komme niiie mehr heraus, dass du es nur weißt, du unbekanntes Menschenwesen!
Zuerst steht der Käfig still und auf einmal beginnt er, leicht zu schaukeln. Aufhören! Ich mag das nicht! Ich bleibe in meinem hohlen Baum. Es spricht zu mir? Das Menschenwesen spricht zu mir?
„Gleich sind wir zu Hause, Billi. Nur noch eine kurze Autofahrt“, sagt es.
Was ist ein Billi? Was ist zu Hause? Was ist eine Autofahrt?
„Dein Frauli schaut schon, dass es dir gut geht“, sagt das Menschenwesen.
Was ist ein Frauli? Ich bleibe in meinem hohlen Baumstamm. Für immer und ewig. Wie gesagt.

Nach einem Geschaukel, das mir endlos vorkommt, steht der Käfig still. Ich bleibe in meinem Baum! Das Menschenwesen sagt zu mir immer „Billi“. Wahrscheinlich glaubt es, ich würde „Billi“ heißen. Zu sich selbst sagt es „Frauli“. Gut, dann ist dieses Menschenwesen halt die Frauli. Bissi eigenartiger Name, aber mir muss er eh nicht gefallen.
Waaas? Ich soll ein Männchen sein? Hallo, Frauli, hast du keine Augen im Kopf? Hast du mich nicht genauer angeschaut, bevor ich in meinen hohlen Baum gekrochen bin, in dem ich für immer bleiben werde? Bei keinem Männchen ist der Popo so schön rund wie bei uns Weibchen!
Ich blinzle vorsichtig aus meinem Versteck. Schön langsam bekomme ich Hunger. Wo ist der Fraulimensch? Soll ich mutig sein? Soll ich herauskommen? Es muss hier irgendwo etwas zu fressen geben, ich kann es riechen.
Nein, ich warte besser noch ein wenig. Ich bleibe lieber in meinem Baum. Es ist nichts zu hören, aber vielleicht lauert das Frauliwesen irgendwo auf mich, wer weiß?

Nächstes Kapitel: Hin und her und rauf und runter
Zurück zur Übersicht: Tierisches