Gestatten, mein Name ist Hamster – letztes Kapitel. Leb wohl, kleine Billie

Oh je.

Mir geht es gar nicht gut.

Alles ist so beschwerlich und mir macht nichts mehr Freude. Das geht schon seit zwei Tagen so. Vor kurzem hatte ich noch Spaß mit meinem Frauli wegen des Futters.
Jetzt wünsche ich mir meinen alten Käfig zurück, den, der mir damals zu klein war, denn dieser hier scheint auf einmal größer geworden zu sein, zu groß für mich. Ich habe Probleme, irgendwo rauf zu kommen und auch beim Türchen raus und wieder rein. Was ist denn mit meinem Käfig passiert? Danke für die Leiter, Frauli, so kann ich bequemer wieder in meinen Käfig zurück klettern.

Und jetzt? Was ist jetzt mit mir? Ich werde munter und zittere am ganzen Körper. Die Leiter – ich kann die Leiter gar nicht mehr hinauf zu meinem Laufrad kraxeln. Alles tut mir weh, ich denke, Bewegung würde mir gut tun, aber es geht nicht.

Wer jammert denn so, was sind denn das für seltsame Geräusche? Bin ich das?

Mein Frauli kommt, hebt mich aus dem Käfig und setzt mich auf ihren Schoß. Nein, Frauli, bitte nicht, ich will nicht fressen und auch nicht trinken. Ja, heb mich wieder zurück in meinen Käfig, danke. Ich bin auf einmal so müde, ich will schlafen, nur schlafen, einfach schlafen. Ich bin so erschöpft und weiß gar nicht, warum. Was ist bloß los mit mir?

Was ist denn, Frauli, aus deinen Augen kommt Wasser, so viel Wasser? Was bedeutet das?

Ja, das ist fein, Frauli, einfach hier liegen, in den weichen Holzspänen und du deckst mich mit Küchenkrepp zu, wie ich das sonst selber tue. Du bist bei mir, ich bin nicht allein. Du streichelst mich, Frauli, das tut gut. Ich weiß gar nicht, warum ich das sonst nicht leiden kann, jetzt mag ich es.

Warum siehst du mich so traurig an, Frauli und warum kommt so viel Wasser aus deinen Augen? Mir geht es sicher bald besser, schau, ich habe jetzt zu zittern aufgehört und mein Herz pocht nicht mehr so wild. Ich verstehe nicht, was du zu mir sagst, Frauli, aber das macht nichts, deine Stimme beruhigt mich.

Alles wird gut

Auf einmal fühle ich mich ganz leicht, nichts tut mir mehr weh! Ich höre dich nur mehr leise und immer leiser, wie von ganz ferne.

Und jetzt? Was ist das für ein seltsames Gefühl? Ich liege immer noch in meinem weichen Bettchen aus Holzspänen und Küchenkrepp und schaue mein Frauli an – du musst etwas gegen das viele Wasser tun, das aus deinen Augen kommt, das kann nicht gesund sein – und gleichzeitig kann ich mich erheben, raus aus meinem Käfig klettern und umherlaufen!
Ich kann alle meine Höhlen besuchen, die mein Frauli für mich aufgestellt hat (mit dem Begriff ‚Schachteln‘ kann ich immer noch nichts anfangen) und ich komme jetzt sogar in die große, große Höhle unter Fraulis Sofa hinein, obwohl mein Frauli den Zugang eingentlich versperrt hat!

Ich kann durch mein Revier sausen, so schnell ich will und mir tut nichts mehr weh, das ist schön! Ich fühle mich so kräftig, als könnte ich Bäume ausreißen! Frauli, schau her zu mir, schau, wie gut es mir geht, dreh dich um zu mir, hier bin ich, schau doch!

Und dann fühle ich gar nichts mehr, sehe gar nichts mehr, höre gar nichts mehr …

Jetzt ist alles gut!

Alles ist gut …

Alles …

ist …

gut …

 

alles …

 

gut …

 

alles …

 

Leb wohl, kleine Billie!

 

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