Gestatten, mein Name ist Hamster – 2. Der Besuch.

Wo ich jetzt bin, da werde ich für die nächste Zeit bleiben, denke ich. Mal sehen, wie sich die Sache entwickelt.

Irgendwann bin ich aus meinem Baum heraus gekrabbelt und habe mich ordentlich satt gefressen. Die Backen so rasch wie möglich vollgestopft und – zack – wieder zurück in meinen Baum. War das ein Festmahl! 😀

Die Wesen mit dem buntem Fell

Heute sind zwei Menschenwesen zu meinem Frauli gekommen. 😐 Beide haben genauso buntes Fell wie mein Frauli-Wesen, das ihnen wahrscheinlich auch täglich in neuer Farbzusammenstellung nachwächst. Es dürfte sich um ein Weibchen und ein Männchen gehandelt haben. Die Menschen-Weibchen haben Ausbuchtungen im oberen Bereich des Körpers, die Männchen – kleinere – eher in der Mitte. Ich bin mit der menschlichen Anatomie nicht so vertraut, aber ich denke, es handelt sich dabei um Fortpflanzungsorgane. Menschen-Männchen sprechen mit tieferer Stimme, das weiß ich von meinem Fütter-Wesen. Der hier dürfte noch ein jüngeres Exemplar gewesen sein, denn seine Stimme war noch nicht ganz so tief.
Ich wollte mich von der mutigen Seite zeigen – und auch mit meinem Käfig angeben 😛 – bin aus meinem hohlen Baumstamm gekrabbelt und im Käfig ein bisschen hin und her gelaufen. Es ist für mich zwar tiefe Nacht, aber ich habe noch Probleme mit dem Durchschlafen.
Die Menschenwesen haben mich mit wiederholtem „Mah so liab!“ begrüßt. Das Männchen hat eine Zehe seiner Vorderpfote zwischen die Gitterstäbe durchgestreckt, ach nein, Finger heißt das, worauf mein Frauli-Wesen ruft: „Pass auf, dass er dich nicht beißt, mich hat er gestern blutig gebissen, das tut ganz schön weh!“

Ja.

Ich gestehe.

Ich habe mein Frauli-Wesen gebissen. 😯
Aber es war ein Versehen. Wirklich. Schwöre!

Warum ich mein Frauli gebissen habe

Sie hat mich schon mehrmals durch die Gitterstäbe gefüttert und dabei stets gesagt: „Ich weiß eh, laut Handbuch soll ich dich noch ein paar Wochen in Ruh‘ lassen, aber wie soll ich das schaffen, wenn’st so ein Lieber bist?“
Ich weiß zwar nicht, was ein Handbuch ist, aber dass ich lieb bin, steht außer Zweifel.
Aber ich bin ein Weibchen, Frauli, ein Weibchen!!

Und dann streckt sie was durch’s Gitter, ich denke, oh, so ein fetter Mehlwurm und beiße zu.
„Aua, mein Finger!“, schreit Frauli-Wesen. Erst da habe ich gemerkt, dass es ein Teil von Fraulis Vorderpfote war! 😕 Und ich habe gelernt, dass die Menschenwesen zu den Zehen ‚Finger‘ sagen. Es soll noch einer sagen, aus Schaden wird man nicht klug!
Jedenfalls bin ich mordsmäßig erschrocken, in meinen hohlen Baumstamm gesaust und hab mich da drinnen so lange geschämt, bis ich eingeschlafen bin.

Aber – mal ehrlich: wieso stecken die Menschenwesen ihre Finger durch mein Käfiggitter? 😐 Es muss so etwas wie ein Begrüßungsritual sein, anders kann ich es mir nicht erklären. Ein bissi eigenartig ist sie ja schon, diese Gattung. 😀

Als nach kurzer Zeit die beiden fremden Menschenwesen gegangen waren, hatte ich wieder meine Ruhe, die ich mit einem ausgiebigen Mahl samt nachfolgendem Verdauungsschläfchen vervollkommnet habe.

 

Nächstes Kapitel: 3. Tausche Schuhschachtel gegen Palast
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